Oktober 1930: Einweihung Ochsenzoll

 

Ehre der rechten Tat!

Es ist heute noch eine Seltenheit, dass die sportliche Verbundenheit die engen Vereinsgrenzen zu durchbrechen vermag. Sie alle wissen aus eigener Erfahrung, dass nur die größten Ereignisse dazu imstande sind. Und wenn vielleicht für einige Stunden eine tiefe Ergriffenheit dem gemeinsamen Gefühl zum Siege verhalf, so richten sich schon wenig später alle Schranken und trennbaren Hindernisse von selbst wieder auf. Immerhin kann der Sport auch Werke von überwältigender Kraft erzeugen, sonst wären diese Zeilen wohl nie geschrieben worden!

 

Tatkräftige Männer haben es verstanden mit dem Namen des H.S.V. den höchsten sportlichen Ruhm zu verbinden. Ihre Energie erlahmte nicht eher, bis das sichtbare Ziel mit allen Mitteln erkämpft war. Menschlich und sportlich Großes wurde in Erringung an manch deutsche Meisterschaften vollbracht. Freude und Genugtuung erfüllt noch jeden, der diese Epoche miterlebt hat. Aber die Zeit eilt weiter und die Gegenwart steht heute an der Wiege eines anderen Werkes.

 

Die Schöpfung von Ochsenzoll ist eine Tat, die in jedem Sportsmann das Gefühl der Bewunderung und Beglückung erwecken muss. Der Degen der schärfsten Kritik senkt sich ihres Anblicks gegenüber zum sportlichen Gruß. Es klingt wie ein Märchen, wenn den Wegbereitern dieses Werkes Wiederstand geleistet worden ist. Freilich liegt auch darin eine übermenschliche Größe den Weg beharrlich weiter zu gehen.

 

Ochsenzoll ist kein Markstein kurzen menschlichen Lebens, sondern ein Stück moderner Kultur, dass erst mit dieser selbst enden wird. Es greift hinaus über den Einzelnen, über den Verein und ist verankert in der großen Universalität des Sports. Über Eitelkeit und Tagesgröße hinweg, manifestiert sich in diesem Werk der allgemeine Sportgedanke. Es ist heute Mode geworden, von den vielen Namenlosen im Dienste des Sports zu sprechen. Aber wo sind die Vereine, die ihren Worten Taten folgen lassen! Prunkenden Wortidealismus gibt es genug, den Werkidealismus sucht das Auge meist vergeblich. Nie hat der H.S.V. in der Sportgeschichte eine mächtigere und dauerhaftere Vormacht besessen als in der gegenwertigen Stunde. Noch liegt Ochsenzoll vor den Toren der Stadt. In einem Jahrzehnt wird es die Oase in einem Häusermeer sein. Werte des Weitblicks und Glücks standen bei der Ausführung der Idee in seltener Weise Pate.

 

Noch ist es erst wenigen Fremden vergönnt gewesen, die größte Leistung eines norddeutschen Sportvereins kennenzulernen. Ich darf mich glücklich schätzen, nicht allein als Sportjournalist, sondern gleichzeitig als aktiver Sportsmann den schlichten Dank der allgemeinen Sportwelt zum Ausdruck zu bringen. Jener Sportwelt, die unentwegt und trotz wirtschaftlicher Not und Bedrängnis für ihren Sport Opfer bringen an Zeit und Geld. Jener Sportwelt, die mit Sturzäckern und Wiesen als Spielfeld vorlieb zu nehmen gewohnt ist. Jener Sportwelt, deren Ansprüche an hygienischer Bequemlichkeit auf das bescheidenste Maß gedrückt worden ist. Das Panorama von Ochsenzoll wird von dieser Welt mit staunenden Augen aufgenommen werden. Den H.S.V.ern ist an dieser Stelle die Gewissheit entstanden, nicht nur Mitglied, sondern vollwertiger Mitträger einer großen Idee zu sein.

 

Aus Hunderte werden Tausende, aus Familien werden Generationen, in deren Leben der Name OCHSENZOLL einen freudvollen Klang haben wird.

P.S.: Einen Dank dem Autor – mehr geht nicht!

 

 

Quelle: HSV-Archiv
Zusammenstellung: HSV-Seniorenrat

HSV-
Archiv
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