November 1930: neue Fußballregeln

 

Am zweiten Dienstag war Versammlung der Schiedsrichter des HSV. Die Beteiligung war gut und es bleibt zu hoffen, dass das Interesse für die Schiedsrichterabteilung weiterhin hoch bleibt. Es ist beschlossen worden, zukünftig regelmäßig jeden zweiten Dienstag im Monat gemütlich im Clubhaus im Vorstandszimmer zusammenzukommen. Das Hauptthema an diesem Abend waren die neuen Fußballregel des DFB, die kürzlich in vollständig neuer Ausgaben und in Anlehnung an die internationalen Regeln erschienen.

 

Gegen früher sind die Regeln bedeutend ausführlicher gehalten, und es ist nun jedem Mitgliede zu empfehlen, sich die neuen Regeln anzuschaffen. Die neuen Regeln sind auf der Geschäftsstelle des Bezirks III, Admiralitätstraße zu erhalten. Der Preis beträgt 25 Pfennige. Wir haben die Absicht auch in den nächsten Monatsblättern die Regeln, soweit sie gegen früher abweichen, kurz zu erläutern.

 

Regel 1:

Sie ist gegen früher ziemlich unverändert geblieben. Unter den Ausführungsbestimmungen ist nur nochmals darauf hingewiesen worden, dass bei amtlich festgesetzten Spielen zu Beginn nicht mehr als 3 Spieler von jeder Partei fehlen dürfen.

 

Die neue Regel 2:

Der Anstoß muss, wie auch früher, in Richtung auf die gegnerische Torlinie ausgeführt werden. Beim Anstoß muss der Gegner mindestens 9 Meter vom Ball entfernt sein. Er darf erst näher an den Ball gehen, wenn der Anstoß ausgeführt ist und nicht schon, wenn der Schiedsrichter das Zeichen gegeben hat.

 

Die neue Regel 3:

Sie besagt hauptsächlich, dass bei Halbzeit den Spielern eine Pause von 5 Minuten zusteht. Nur bei Ausnahmefällen kann der Schiedsrichter die Pause verlängern.

 

Die neue Regel 4:

Die Regel besagt ausdrücklich, das erst dann ein Tor erzielt und vom Schiedsrichter zu geben ist, wenn der Ball die Torlinie im vollen Umfange überschritten hat. Es ist also möglich und kein Tor, wenn der Ball auf der ganzen Torlinie entlangrollt, sich mit dem größeren Teil hinter der Linie befindet, und doch nicht ins Tor geht.

 

Regel 5:

Es ist neu, dass der Einwurf nun ausdrücklich in beliebige Richtung ausgeführt werden kann. Der Einwerfende muss den Einwurf außerhals der Seitenlinie vornehmen. Es ist nicht nötig, dass der Spieler dabei mit beiden Füßen fest auf dem Erdboden steht. Der Ball muss eingeworfen und nicht fallengelassen werden. Anderenfalls Regelverstoß, der einen indirekten Freistoß verlangt. Aus einem Einwurf kann ein Tor nicht unmittelbar erzielt werden.

 

Regel 6:

Abseitsregel unverändert. Es wird nur nochmals ausdrücklich darauf hingewiesen, dass für die Abseitsbeurteilung nicht maßgebend ist, wo sich der Spieler befindet, wenn er den Ball bekommt, sondern wo er in dem Augenblick war, in dem der Ball von einem Spieler der eigenen Mannschaft gespielt wurde. Bei einem Eckstoß, Einwurf oder Abstoß gibt es kein Abseits; dagegen aber beim Freistoß – direkt und indirekt.

 

Die neue Regel 7:

Abstoß. Der Abstoß bringt etwas ganz Neues. Der Abstoß darf in jede Richtung, auch nach rückwärts, ausgeführt werden. Der Abstoßende darf den Ball nicht zweimal spielen. Die Strafe hierfür ist indirekter Freistoß, auch wenn die zweite Berührung absichtlich mit der Hand geschieht. Somit entfällt die bisherige Regel, wonach bei absichtlichem Handspiel bisher Strafstoß oder Elfmeter gegeben werden musste. 

 

 

Quelle: HSV-Archiv
Zusammenstellung: HSV-Seniorenrat

HSV-
Archiv
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