Februar 1931: Mittelläufer

 

Fußball-Schule: Das Spiel des Mittelläufers

Der Mittelläufer hat die Aufgabe, sowohl für den Angriff, als auch für die Verteidigung, an prominenter Stelle tätig zu sein. Er ist wohl der meistbeschäftigte Mann während des ganzen Spiels. Er muss schon aus diesem Grund mit hervorragendem technischen Rüstzeug versehen und imstande sein, den Ball in jeder Lage und mit jedem Fuß nehmen und behandeln zu können. Kopfspiel und namentlich das schwierige Ballstoppen muss er bis zur Vollkommenheit beherrschen. Auch sollte er einen guten und kräftigen Torschuss besitzen, da er infolge seines Platzes im Mittelfeld am häufigsten von den Läufern Gelegenheit hat, einen Torschuss anzubringen.

 

Die Eigenart seiner Aufgabe bringt es mit sich, dass er, abgesehen von Fernschüssen aufs Tor, weiten Vorlagen an seine Flügelstürmer oder Befreiungsschlägen bei starker Bedrängung des eigenen Tores, das kurze, flache Passspiel kultivieren und imstande sein muss, den Ball am Fuß zu halten, oder, anders ausgedrückt, dass Laufen mit dem Ball, diese schwierige Zunft, von Grund auf verstehen muss.

 

Denn kein anderer Spieler erhält so oft wie der Mittelläufer Gelegenheit, den Ball anzunehmen, ihn eine kurze Strecke zu treiben und dann dorthin zu dirigieren, wo ein gut platzierter Kamerad das weitere besorgen kann, um eine Lücke in der gegnerischen Reihe auszunutzen.

 

Noch höhere Anforderungen als an die technischen Fähigkeiten des Mittelläufers sind aber an seine intellektuellen Fähigkeiten zu stellen. Man kann sie auch kurzweg in der Bezeichnung taktisches Verständnis zusammenfassen. Der Mittelläufer soll gewissermaßen der Generalstäbler seiner Mannschaft sein, der, im Mittelpunkt des Kampfgetriebes stehend, Abwehr und Angriff die grundlegenden Direktiven zu geben hat. Das zur Erfüllung dieser Aufgabe die stetige angestrengte geistige Tätigkeit und intensive Aufmerksamkeit die Vorbedingung bilden, bedarf wohl keiner besonderen Betonung.

 

In der ersten Phase des Spiels muss er sein Hauptaugenmerk darauf richten, den Gegner zu sondieren, seine schwachen und starken Seiten zu erkunden und hiernach seine Ballverteilung und Kampfesweise einzurichten. Ein Mittelläufer, der immer nur „dieselbe Marke“ spielt, ist, mag er auch technisch noch so gut sein, eben kein richtiger Mittelläufer, wie er sein muss. Fast jede Mannschaft hat ihre Eigenart, sodass dementsprechend auch die Mittel der Bekämpfung verschiedene sein müssen, ist ohne weiteres einleuchtend. Hieraus folgt aber auch weiter, dass der „Mannschaftsstratege“, eben der Mittelläufer, beweglichen Geistes und erfinderisch sein muss in seinen Methoden, den Gegner je nach seiner Eigenart wirksam zu bekämpfen.

 

Nie darf ein Mittelläufer einfältig werden. Sei es, dass er sich, was man häufig sieht, auf das Innenspiel einstellt und die Flügel vernachlässigt – oder auch umgekehrt. Er muss der Mann des Augenblicks sein, der jeder sich bietende Situation erkennt und ihr gewachsen ist.

 

 

Quelle: HSV-Archiv
Zusammenstellung: HSV-Seniorenrat

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Archiv
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