Dezember 1960: in der Schweiz bei Young Boys Bern

 

Der Tages-Anzeiger für Stadt und Kanton Zürich schreibt:

Der Hamburger Sport-Verein gehört gegenwärtig zu den besten Klubmannschaften Europas. Seine Leistung im ersten Europacuptreffen gegen die Young Boys Bern in Bern, hat auch beim Schweizer Publikum einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Man hat die sportliche Seite des 5 : 0-Erfolges auch gebührend gewürdigt. Die Hamburger gefielen ganz besonders durch eine geschlossene Mannschaftsleistung.

 

Das ist keineswegs erstaunlich, wenn man weiß, dass 8 der 11 Spieler, die in Bern eingesetzt wurden, aus den eigenen Reihen hervorgegangen sind. Schnoor, Meinke, Krug, Werner, die beiden Seeler, Stürmer und Dörfel spielten schon in der Jugend des HSV und wurden von Trainer Günther Mahlmann für die erste Garnitur nachgezogen. Der heute 24-jährige Mittelstürmer Uwe Seeler wirkte schon als 18-jähriger Junior erstmals in der ersten Mannschaft des HSV mit. Torhüter Schnoor und Stopper Meinke wurden ebenfalls schon als Junioren ins „Fanionteam“ promoviert.

 

Die Spieler des Hamburger Sport-Vereins gehören zusammen – das sah man auch in Bern. Sie sind durch eine gute Kameradschaft und Treue zu ihren Klubfarben miteinander verbunden. Das ist ein Moment, dem leider im modernen Fußballsport viel zu wenig Beachtung geschenkt wird. Wir leben im Zeitalter, da man den Erfolg durch „kostspielige Käufe“ von „Stars“ aus dem In- und Ausland anstrebt.

 

"Wir haben keine Zeit, um eigenen Nachwuchs heranzubilden.“
So hört man es vielfach von verschiedenen Klubleitungen. Dass es außerordentlich schwerfällt, aus einer bunt zusammengewürfelten Gruppe von Fußballern eine Mannschaft zu bilden, haben wir auch in der Schweiz schon an verschiedenen Beispielen erlebt. Trotzdem konnten sich nur wenige Klubleitungen dazu entschließen, die Kräfte für die erste Mannschaft vor allem in den eigenen Reihen der Juniorenabteilung zu suchen und sie entsprechend zu fördern.

 

Jeder Verein sollte seine Eigenheiten haben. Fehlen jedoch diese besonderen Kennzeichen eines Klubs und der Equipe, so ist meist der Mangel an innerem Zusammenhalt und wenig konstante Leistungen das Ergebnis. Wir kennen die Mannschaften, die in einzelnen Grüppchen aufgespalten sind zu genüge!

 

Der HSV ist der schlagende Beweis dafür, dass Mannschaftsgeist kein leerer Begriff ist! Die Hamburger Spieler sind in einem sportlichen Geiste erzogen worden. Sie sind in die Mannschaft, deren Spielauffassung und deren traditionelle Stärke hineingewachsen und bilden deshalb einen Block, den man nur schwer sprengen kann.

 

Uns will scheinen, dass dieses Beispiel des Hamburger SV all denen zu denken geben sollte, die sich über sportliche Grundsetze hinwegsetzen und den Erfolg mit rein materiellen Mitteln erzwingen wollen.

 

 

Quelle: HSV-Archiv
Zusammenstellung: HSV-Seniorenrat

HSV-
Archiv
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