Fußball 1930 - 1934

Oktober 1930: Einweihung Ochsenzoll

 

Ehre der rechten Tat!

Es ist heute noch eine Seltenheit, dass die sportliche Verbundenheit die engen Vereinsgrenzen zu durchbrechen vermag. Sie alle wissen aus eigener Erfahrung, dass nur die größten Ereignisse dazu imstande sind. Und wenn vielleicht für einige Stunden eine tiefe Ergriffenheit dem gemeinsamen Gefühl zum Siege verhalf, so richten sich schon wenig später alle Schranken und trennbaren Hindernisse von selbst wieder auf. Immerhin kann der Sport auch Werke von überwältigender Kraft erzeugen, sonst wären diese Zeilen wohl nie geschrieben worden!

Tatkräftige Männer haben es verstanden mit dem Namen des H.S.V. den höchsten sportlichen Ruhm zu verbinden. Ihre Energie erlahmte nicht eher, bis das sichtbare Ziel mit allen Mitteln erkämpft war. Menschlich und sportlich Großes wurde in Erringung an manch deutsche Meisterschaften vollbracht. Freude und Genugtuung erfüllt noch jeden, der diese Epoche miterlebt hat. Aber die Zeit eilt weiter und die Gegenwart steht heute an der Wiege eines anderen Werkes.

 

Die Schöpfung von Ochsenzoll ist eine Tat, die in jedem Sportsmann das Gefühl der Bewunderung und Beglückung erwecken muss. Der Degen der schärfsten Kritik senkt sich ihres Anblicks gegenüber zum sportlichen Gruß. Es klingt wie ein Märchen, wenn den Wegbereitern dieses Werkes Wiederstand geleistet worden ist. Freilich liegt auch darin eine übermenschliche Größe den Weg beharrlich weiter zu gehen.

Ochsenzoll ist kein Markstein kurzen menschlichen Lebens, sondern ein Stück moderner Kultur, dass erst mit dieser selbst enden wird. Es greift hinaus über den Einzelnen, über den Verein und ist verankert in der großen Universalität des Sports. Über Eitelkeit und Tagesgröße hinweg, manifestiert sich in diesem Werk der allgemeine Sportgedanke. Es ist heute Mode geworden, von den vielen Namenlosen im Dienste des Sports zu sprechen. Aber wo sind die Vereine, die ihren Worten Taten folgen lassen! Prunkenden Wortidealismus gibt es genug, den Werkidealismus sucht das Auge meist vergeblich. Nie hat der H.S.V. in der Sportgeschichte eine mächtigere und dauerhaftere Vormacht besessen als in der gegenwertigen Stunde. Noch liegt Ochsenzoll vor den Toren der Stadt. In einem Jahrzehnt wird es die Oase in einem Häusermeer sein. Werte des Weitblicks und Glücks standen bei der Ausführung der Idee in seltener Weise Pate.

 

Noch ist es erst wenigen Fremden vergönnt gewesen, die größte Leistung eines norddeutschen Sportvereins kennenzulernen. Ich darf mich glücklich schätzen, nicht allein als Sportjournalist, sondern gleichzeitig als aktiver Sportsmann den schlichten Dank der allgemeinen Sportwelt zum Ausdruck zu bringen. Jener Sportwelt, die unentwegt und trotz wirtschaftlicher Not und Bedrängnis für ihren Sport Opfer bringen an Zeit und Geld. Jener Sportwelt, die mit Sturzäckern und Wiesen als Spielfeld vorlieb zu nehmen gewohnt ist. Jener Sportwelt, deren Ansprüche an hygienischer Bequemlichkeit auf das bescheidenste Maß gedrückt worden ist. Das Panorama von Ochsenzoll wird von dieser Welt mit staunenden Augen aufgenommen werden. Den H.S.V.ern ist an dieser Stelle die Gewissheit entstanden, nicht nur Mitglied, sondern vollwertiger Mitträger einer großen Idee zu sein.

 

Aus Hunderten werden Tausende, aus Familien werden Generationen, in deren Leben der Name OCHSENZOLL einen freudvollen Klang haben wird.
P.S.: Einen Dank dem Autor – mehr geht nicht!

 

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Oktober 1930: Rückblick

Mit wechselndem Erfolg kämpft der HSV in Punkt- und Freundschaftsspielen. Im Freundschaftsspiel Nr.5 bei Arminia Hannover wird mit der Mannschaft BLunck, Beier, Risse, Mahlmann, Halvorsen, Carlsson, Kolzen, Jarchow, Harder, Sveistrupp, und Rave 5 : 3 gewonnen.

Die Ergebnisse der Punktspiele: 12.10 gegen Polizei Hamburg 7 : 2, 19.10. gegen St. Pauli 0 : 1, 26.10. auf dem Sportplatz Hoheluft gegen Victoria 4 : 1. In diesem Spiel zeichnete sich Assi Halvosen durch eine überragende Leistung besonders aus.

 

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November 1930: Austritt aus der Sportgemeinschaft

Kameradschaft!
Wir Hamburger Polizisten können es nicht verstehen, dass man den Austritt eines einzelnen Vereins aus einer freiwilligen Organisation – wie in Hamburg der Austritt des H.S.V. aus der Sportgemeinschaft – dazu ausnutzt, um einen sportlichen Boykott derart zuzuspitzen, dass man die einfachsten Gesetze der Kameradschaft und des sportlichen Anstandes mit Füssen trat, indem man unschuldigen und nichtsahnende Provinzvereine straft und den neidvollen Hass auch auf den grünen Rasen überträgt. Als wenn der deutsche Sport nicht schon genug mit Anfeindungen und inneren Zwistigkeiten zu kämpfen hätte.

 

Es ist bezeichnend, dass die Verweigerung der Ehrenkarten an die Angehörigen der Spieler des Rothenbaumvereins durch einen Hamburger Oberligaverein nicht von der Hamburger Großpressen vermerkt worden ist, sondern nur von den auswärtigen Zeitschriften (wenn auch gebührend) zur Kenntnis gebracht worden ist. Ebenso hat das amtliche Norddeutsche Organ das Nichtantreten von Hamburger Großvereinen gegeißelt, die so die Propagierung einer gemeinsamen Sportidee verweigerten.

Wenn man sich diese Auswüchse einer sogenannten „Sportgemeinschaft“ vor Augen hält, dann muss man wahrlich denken, dass die schönen Worte von Freundschaft und sportlichem Idealismus kalte Gesten und hohle Phrasen gewesen sind.

 

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November 1930: neue Fußballregeln

Am zweiten Dienstag war Versammlung der Schiedsrichter des HSV. Die Beteiligung war gut und es bleibt zu hoffen, dass das Interesse für die Schiedsrichterabteilung weiterhin hoch bleibt. Es ist beschlossen worden, zukünftig regelmäßig jeden zweiten Dienstag im Monat gemütlich im Clubhaus im Vorstandszimmer zusammenzukommen. Das Hauptthema an diesem Abend waren die neuen Fußballregel des DFB, die kürzlich in vollständig neuer Ausgaben und in Anlehnung an die internationalen Regeln erschienen.

Gegen früher sind die Regeln bedeutend ausführlicher gehalten, und es ist nun jedem Mitgliede zu empfehlen, sich die neuen Regeln anzuschaffen. Die neuen Regeln sind auf der Geschäftsstelle des Bezirks III, Admiralitätstraße zu erhalten. Der Preis beträgt 25 Pfennige. Wir haben die Absicht auch in den nächsten Monatsblättern die Regeln, soweit sie gegen früher abweichen, kurz zu erläutern.

 

Regel 1:

Sie ist gegen früher ziemlich unverändert geblieben. Unter den Ausführungsbestimmungen ist nur nochmals darauf hingewiesen worden, dass bei amtlich festgesetzten Spielen zu Beginn nicht mehr als 3 Spieler von jeder Partei fehlen dürfen.

 

Die neue Regel 2:

Der Anstoß muss, wie auch früher, in Richtung auf die gegnerische Torlinie ausgeführt werden. Beim Anstoß muss der Gegner mindestens 9 Meter vom Ball entfernt sein. Er darf erst näher an den Ball gehen, wenn der Anstoß ausgeführt ist und nicht schon, wenn der Schiedsrichter das Zeichen gegeben hat.

 

Die neue Regel 3:

Sie besagt hauptsächlich, dass bei Halbzeit den Spielern eine Pause von 5 Minuten zusteht. Nur bei Ausnahmefällen kann der Schiedsrichter die Pause verlängern.

 

Die neue Regel 4:

Die Regel besagt ausdrücklich, das erst dann ein Tor erzielt und vom Schiedsrichter zu geben ist, wenn der Ball die Torlinie im vollen Umfange überschritten hat. Es ist also möglich und kein Tor, wenn der Ball auf der ganzen Torlinie entlangrollt, sich mit dem größeren Teil hinter der Linie befindet, und doch nicht ins Tor geht.

 

Regel 5:

Es ist neu, dass der Einwurf nun ausdrücklich in beliebige Richtung ausgeführt werden kann. Der Einwerfende muss den Einwurf außerhals der Seitenlinie vornehmen. Es ist nicht nötig, dass der Spieler dabei mit beiden Füßen fest auf dem Erdboden steht. Der Ball muss eingeworfen und nicht fallengelassen werden. Anderenfalls Regelverstoß, der einen indirekten Freistoß verlangt. Aus einem Einwurf kann ein Tor nicht unmittelbar erzielt werden.

 

Regel 6:

Abseitsregel unverändert. Es wird nur nochmals ausdrücklich darauf hingewiesen, dass für die Abseitsbeurteilung nicht maßgebend ist, wo sich der Spieler befindet, wenn er den Ball bekommt, sondern wo er in dem Augenblick war, in dem der Ball von einem Spieler der eigenen Mannschaft gespielt wurde. Bei einem Eckstoß, Einwurf oder Abstoß gibt es kein Abseits; dagegen aber beim Freistoß – direkt und indirekt.

 

Die neue Regel 7:

Abstoß. Der Abstoß bringt etwas ganz Neues. Der Abstoß darf in jede Richtung, auch nach rückwärts, ausgeführt werden. Der Abstoßende darf den Ball nicht zweimal spielen. Die Strafe hierfür ist indirekter Freistoß, auch wenn die zweite Berührung absichtlich mit der Hand geschieht. Somit entfällt die bisherige Regel, wonach bei absichtlichem Handspiel bisher Strafstoß oder Elfmeter gegeben werden musste. 

 

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Dezember 1930: Schiedsrichteramt -
ein schweres Amt

Sehr oft kann man beobachten, dass zwischen Spielern von Herrenmannschaften und dem amtierenden Schiedsrichter Differenzen über die eine oder andere Entscheidung im Spiel entstehen. Wobei die Ansichten der Spieler – wenn auch die Entscheidungen der Schiedsrichter unanfechtbar sind – bisweilen eine gewisse Berechtigung zu haben scheinen.

 

Sie dürfen aber niemals dazu Anlass geben, auf dem Spielfeld unerquickliche Debatten herbeizuführen.

Leider muss man aber die Wahrnehmung machen, dass, durch schlechte Beispiele der Herrenmannschaften angesteckt, auch jugendliche Spieler versuchen, sich mit dem Schiedsrichter anzulegen oder ihm in unangenehmer Weise belehren zu wollen.  

 

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Dezember 1930: Sparmaßnahmen

Sparmaßnahmen sind unablässig!

Die herrschende große Wirtschaftsnot, deren Ende vorerst überhaupt nicht abzusehen ist, die vielmehr allen Anschein nach in der nächsten Zeit eine wesentliche Verschärfung erfahren wird, hat die geschäftliche Grundlager der Sportvereine schwer erschüttert und zwingt die Leiter mehr und mehr zu Sparmaßnahmen und Rationalisierungen. Die Verhältnisse haben sich gewaltig geändert. Konnte man in der Inflationszeit und den ersten Jahren danach noch aus dem Vollen schöpfen, so muss heute wieder mit jedem Pfennig gerechnet werden. Die Balance zwischen Einnahmen und Ausgaben zu erhalten, bildet heute die größte und schwierigste Aufgabe einer jeden Vereinsführung.

 

Die notwendigen Sparmaßnahmen verlangen eben auch den radikalen Umbau der Vereinsverwaltung. So müssen besoldete und vielfach langjährige und treue Verwaltungsbeamte vermehrt durch freiwillige und ehrenamtliche Mitglieder ersetzt werden. Hier lassen sich beachtliche Summer einsparen, die so für andere Zwecke verwendet werden können.

 

Zweifellos ist es in dieser wirtschaftlichen Not nicht einfach, geeignete Mitglieder, über ihre eigenen Anstrengungen hinaus, für ehrenamtliche Aufgaben zu gewinnen, doch muss es Ziel einer jeden Vereinsführung sein, diese Schwierigkeiten zu überwinden.

 

Auch muss die Finanzwirtschaft des Vereins auf eine neue moderne Grundlage gestellt werde. So hat man es in den finanziell guten Jahren versäumt, die Mitgliedsbeiträge nachdrücklich einzufordern, da die hohen Spieleinnahmen die Kosten für die Instand-haltung des Sportbetriebs, der Anlagen sowohl der sonstigen Kosten sicherstellten.

 

Hier muss heute, mehr denn je, von jedem ordentlichen Mitglied verlangt werden, dass es seinen Verpflichtungen gegenüber dem Verein in gewissenhafter Weise nachkommt. Die von den Vereinen gebotenen vielfältigen Angebote, müssen grundsätzlich im richtigen Verhältnis zu den Beiträgen stehen und von den Mitgliedern bezahlt werden.

 

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Februar 1931: Freistoß-Regeln

Schiedsrichter-Ausschuß: Neue Fußballregeln Nr. 10 + 11

Wir bitten alle Schiedsrichter folgende Bekanntmachung zur Kenntnis zu nehmen:
1. Auskunft ob Bezirksspiele für Jugendliche, in Folge schlechten Wetters stattfinden,
können bei nachstehender Adresse eingezogen werden: Herr Beud, Telephon: D2 Klopftod 0625

2. Wir setzen heute die Regelbesprechung der neuen Fußballregeln 10 + 11 fort

 

Regel Nr. 10: Indirekter Freistöße:

Die früheren Regeln sprachen stets von Freistoß und Strafstoß, während es jetzt heißt direkter und indirekter Freistoß.

 

Der Name indirekt sagt ja bereits, dass aus diesem ein Tor nicht direkt erzielt werden kann. Über die Ausführung eines Freistoßes ist zu erwähnen, dass die gegnerische Partei mindestens 9 Meter vom Ball entfernt sein soll, oder auf der Torlinie stehen darf.

Spieler; die hiergegen verstoßen, sind zu verwarnen und im Wiederholungsfalle des Platzes zu verweisen.

 

In den Ausführungen für Schiedsrichter ist ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Freistoß erst nach dem Pfiff des Schiedsrichters auszuführen ist. Es ist aber auch notwendig, da der Freistoß ein Vorteil sein soll, mit dem Pfiff nicht zu lange zu warten, damit der Freistoß nicht zu einem Nachteil für die berechtigte Partei wird.

Der Ball ist beim Freistoß im Spiel, sobald er getroffen ist – aber er muss eine Strecke zurückgelegt haben, die seinem Umfang entspricht.

 

Wird der Ball vorher ein zweites Mal, also bevor er die Strecke seines Umfangs zurückgelegt hat, von dem gleichen Spieler nochmals getreten, so ist Wiederholung anzuordnen.

 

Kein Freistoß für die Gegenpartei.

Freistoß gibt es erst für die Gegenpartei, nachdem der gleiche Spieler den Ball zum zweiten Male berührt, wenn der Ball eine Strecke zurückgelegt hat, die seinem Umfang nicht entspricht.
Von einem indirekten Freistoß kann ein Tor nicht erzielt werden. Der Ball muss von einem zweiten Spieler berührt worden sein.

Ein Freistoß kann nach jeder Richtung gestoßen werden.

 

Vorteilsregel:

Der Schiedsrichter kann von der Erteilung eines Freistoßes absehen und weiterspielen lassen, wenn die hierzu berechtigte Mannschaft vom Weiterspielen einen Vorteil hat. Der Schiedsrichter sollte aber von der Vorteilsregel nicht immer Gebrauch machen, selbst wenn im Augenblick ein Vorteil für die zum Freistoß berechtigte Partei herausschaut. Z.B. beim Elfmeterstoß, der immer ein Vorteil ist, wenn nicht gerade der unfair behandelte Spieler den Ball selbst in Tor schießt. Die Behandlung der Vorteilsregel ist sehr viel Gefühlssache. Wenn aber das Spiel einmal durch einen Pfiff unterbrochen ist, muss es regelgerecht wieder in Gang gebracht werden.

 

Regel Nr. 11: Direkter Freistoß

Ein Tor kann direkt durch einen Eckball erzielt werden, außerdem aus allen Verstößen gegen die Regel 9, nicht aber aus sonstigen Freistößen.

Die Freistöße gegen Regel 9 sind Freistöße, die verhängt werden wegen Beinstellen und Unterlaufen, Treten, Anspringen, Halter, Stoßen, heftiges und gefährliches Rempeln, regelwidriges Rempeln von hinten oder spielen des Balles mit der Hand.

 

In sämtlichen anderen Fällen darf nur, wie bereits oben gesagt, ein Freistoß indirekt verhängt werden.

Zur besseren Übersicht wird nachstehend eine Aufstellung der Regelverstöße gebracht, die durch einen indirekten Freistoß zu ahnden sind:

 

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Februar 1931: Groß-Hamburger Meister

HSV zum 10. mal Groß-Hamburger Meister

Wechselreich und schicksalhaft, wie die ganze Zeit, gestaltet sich auch für den HSV die soeben beendete Serie der Punktspiele um die Groß-Hamburger Fußball-Meisterschaft.  Wenn sie uns letzten Endes die mit sicherem Vorsprung erreichte Meisterschaft bescherte, und wenn der Verein nach Überwindung vorübergehender kritischer Stunden heute nach innen wie nach außen gefestigter und erfolgreicher denn je dasteht, dann mag dies eine vielverheißende Ankündigung für eine allgemeine bessere Zukunft sein.

 

Unsere Ligamannschaft vermochte, mit der Erringung des Titels, zum zehnten Mal in ununterbrochener Reihenfolge, die Hamburger Meisterschaft mit den Farben unseres Vereins zu verbinden. Sie verbrachte damit eine denkwürdige Leistung, die die, nach wie vor, führende Stellung des Hamburger Sport-Verein im Fußballsport in seiner Heimatstadt nachdrücklich unterstreicht. Ein jeder HSVer wird diesen Erfolg seines Vereins mit Freude und stolzer Genugtuung begrüßen und der Zukunftsentwicklung weiterhin mit Vertrauen entgegensehen.

 

Zum Abschluss der Spielzeit, zeigt die Tabellenspitze folgendes Aussehen:

 

Verein Sp G U V Tore Pkte.
Hanburger SV 18 14 1 3 58:22 29
Union 18 10 2 6 45:41 22
Altona 93 18 9 3 6 54:45 21
Victoria 18 7 6 5 50:40 20
FC St. Pauli 18 8 2 8 38:42 18

 

Der diesjährige Meistertitel wurde in altgewohnter Weise und wieder mit klarem Vorsprung errungen. Ein Blick auf die Tabelle zeigt anhand des Torverhältnisses, sowie unter Berücksichtigung der gewonnenen Spiele, dass der Hamburger SV aufgrund seiner Leistungen verdientermaßen Meister wurde und nach wie vor als spielstärkster Verein von Groß-Hamburg zu gelten hat.

 

Es war in der verflossenen Saison ein besonderer Aufwand an aufopfernder Tätigkeit und sorgender Verantwortlichkeit nötig, um das Ziel der 10. Meisterschaft zu erringen. Ein jeder Freund und Anhänger unseres Vereins weiß um die Folgen und Auswirkungen dieser bewegten und schweren Zeit, die wir, gleich anderer Großvereine nachdrücklicher zu verspüren hatten.

 

Die finanzielle Lage des Vereins, der seinen Etat in erster Linie auf den Mitgliedsbeiträgen aufzubauen bemüht war, erlitt starke Beeinträchtigungen durch das Ausbleiben vieler Mitgliedsbeiträge, wie auch der unvermeidliche Rückgang der Mitgliederzahl. Die wirtschaftliche Not vieler Mitglieder schlug tiefe Wunden, und die Vereinsleitung verrichtete wahre Sisyphusarbeit, um die Finanzlage zu balanzieren. Hinzu kam der merkliche Zuschauerschwund bei den Punktspielen, was erst mit dem steigenden Interesse an den entscheidenden Punkt-spielen zum Ende der Saison überwunden wurde.

 

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Februar 1931: Mittelläufer

Fußball-Schule: Das Spiel des Mittelläufers

Der Mittelläufer hat die Aufgabe, sowohl für den Angriff, als auch für die Verteidigung, an prominenter Stelle tätig zu sein. Er ist wohl der meistbeschäftigte Mann während des ganzen Spiels. Er muss schon aus diesem Grund mit hervorragendem technischen Rüstzeug versehen und imstande sein, den Ball in jeder Lage und mit jedem Fuß nehmen und behandeln zu können. Kopfspiel und namentlich das schwierige Ballstoppen muss er bis zur Vollkommenheit beherrschen. Auch sollte er einen guten und kräftigen Torschuss besitzen, da er infolge seines Platzes im Mittelfeld am häufigsten von den Läufern Gelegenheit hat, einen Torschuss anzubringen.

 

Die Eigenart seiner Aufgabe bringt es mit sich, dass er, abgesehen von Fernschüssen aufs Tor, weiten Vorlagen an seine Flügelstürmer oder Befreiungsschlägen bei starker Bedrängung des eigenen Tores, das kurze, flache Passspiel kultivieren und imstande sein muss, den Ball am Fuß zu halten, oder, anders ausgedrückt, dass Laufen mit dem Ball, diese schwierige Zunft, von Grund auf verstehen muss.

 

Denn kein anderer Spieler erhält so oft wie der Mittelläufer Gelegenheit, den Ball anzunehmen, ihn eine kurze Strecke zu treiben und dann dorthin zu dirigieren, wo ein gut platzierter Kamerad das weitere besorgen kann, um eine Lücke in der gegnerischen Reihe auszunutzen.

 

Noch höhere Anforderungen als an die technischen Fähigkeiten des Mittelläufers sind aber an seine intellektuellen Fähigkeiten zu stellen. Man kann sie auch kurzweg in der Bezeichnung taktisches Verständnis zusammenfassen. Der Mittelläufer soll gewissermaßen der Generalstäbler seiner Mannschaft sein, der, im Mittelpunkt des Kampfgetriebes stehend, Abwehr und Angriff die grundlegenden Direktiven zu geben hat. Das zur Erfüllung dieser Aufgabe die stetige angestrengte geistige Tätigkeit und intensive Aufmerksamkeit die Vorbedingung bilden, bedarf wohl keiner besonderen Betonung.

 

In der ersten Phase des Spiels muss er sein Hauptaugenmerk darauf richten, den Gegner zu sondieren, seine schwachen und starken Seiten zu erkunden und hiernach seine Ballverteilung und Kampfesweise einzurichten. Ein Mittelläufer, der immer nur „dieselbe Marke“ spielt, ist, mag er auch technisch noch so gut sein, eben kein richtiger Mittelläufer, wie er sein muss. Fast jede Mannschaft hat ihre Eigenart, sodass dementsprechend auch die Mittel der Bekämpfung verschiedene sein müssen, ist ohne weiteres einleuchtend. Hieraus folgt aber auch weiter, dass der „Mannschaftsstratege“, eben der Mittelläufer, beweglichen Geistes und erfinderisch sein muss in seinen Methoden, den Gegner je nach seiner Eigenart wirksam zu bekämpfen.

 

Nie darf ein Mittelläufer einfältig werden. Sei es, dass er sich, was man häufig sieht, auf das Innenspiel einstellt und die Flügel vernachlässigt – oder auch umgekehrt. Er muss der Mann des Augenblicks sein, der jeder sich bietende Situation erkennt und ihr gewachsen ist.

 

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April 1931: norddeutscher Fußballmeister

Die 3 Spiele um die Norddeutsche Fußballmeisterschaft entscheidet der HSV zu seinen Gunsten. Auch der stärkste Rivale, Holstein Kiel, musste sich am 26. Dem HSV beugen. Durch den 4 : 2 Erfolg wird der HSV einmal mehr Norddeutscher Fußballmeister.

 

Die Meisterschaft errangen: Blunk, Beier, Risse, Mahlmann, Halversen, Carlsson, Sommer, Gloede, Wollers, Sveistrup.

 

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Mai 1931: Rückblick

Nur um ein Haar verpasst der HSV erneut den Einzug, um ins Finale um die Deutsche Meisterschaft vorzustossen, da die glücklicher kämpfende Hertha aus Berlin in der Verlängerung die Oberhand behält. Obwohl der Gegner noch bis zur 85. Minute mit 2 : 0 führt, erzielen Wollers und Sommer innerhalb der letzten 5 Minuten noch den Ausgleich. In der Verlängerung aber gelingt den Berlinern dann doch noch der Siegtreffer zum 3 : 2.

 

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Juni 1931: Rückblickregeln weitergedacht

Wie alle Regeln und Vorschriften der übrigen Sportarten, so sind auch die Fußballregeln dem steten Fluss von Änderungen unterworfen. Immer wieder lehrt die Praxis die Notwendigkeit solcher Änderungen, deren bedeutendste im Fußball in der letzten Zeit sicher die Reform der Abseitsregel war.

 

Die Spieler selbst erkennen die Vorzüge dieser Neuregelung dankbar an. Das ganze Spiel hat seitdem an Lebendigkeit und Reiz erheblich gewonnen, wie auch die Zuschauer neuerdings wesentlich mehr auf ihre Kosten kommen. Soweit die Wirkung von Regeländerungen.
Selbstverständlich stehen die Grundzüge der Fußballregeln so fest, dass an ihnen nichts geändert wird, aber es stellen sich, wie bereits erwähnt, im Laufe der Zeiten doch immer wieder kleinere Missstände heraus, deren Beseitigung im Interesse des Spiels selbst wünschenswert ist.

 

So hat beispielsweise der englische Verband vorgeschlagen, auch bei Freistößen die Abseitsregel aufzuheben und nicht in Kraft treten zu lassen. Man beabsichtigt durch diese Änderung die Vorteile der den Freistoß ausführenden Partei zu vergrößern. Auch schlägt man vor, dass die Spieler beider Parteien bei der Ausführung des Freistoßes mindestens 10 Yards, das sind die in Deutschland üblichen 9 Meter, hinter der Strafraumlinie vom Ball entfernt sein müssen.

 

Neben diesen Abänderungsvorschlägen tauchen ferner von Zeit zu Zeit immer wieder Vorschläge auf, die wenig Aussichten auf Anerkennung besitzen. So gibt es den Vorschlag die Linienrichter abzuschaffen und dafür 2 Schiedsrichter verwenden, die wie beim Hockey jeder eine Spielhälfte beaufsichtigen und durch besondere Goalrichter unterstützt werden sollen. Auch möchte man Torpfosten und Querlatte von rundem Querschnitt, weiße Bälle und eine Nummerierung der Spieler einführen. Über diese Änderungsvorschläge hat letztlich der „Internationale Board“ zu bestimmen. In dieser Behörde ist das englische Urteil maßgebend. Es ist kaum zu erwarten, dass diese vielfältigen Vorschläge ernst genommen und Anerkennung finden werden.

 

In enger Verbindung mit den verschiedenen Regelfragen, steht das Schiedsrichterwesen, dessen bessere Organisation man in den letzten Jahren in allen Ländern größte Aufmerksamkeit schenkt. Die überall gebildeten Schiedsrichter-Vereinigungen mit ihren Lernstunden und Prüfungen, haben auf diesem Gebiet bemerkenswerte Pionierarbeit geleistet. Die Regelschulungen haben, sowohl bei den Schiedsrichtern als auch bei Spielern, zum verbesserten Regelverständnis beigetragen. Auch beim Publikum hat das Regelwerk zu mehr Verständnis für Schiedsrichterentscheidungen geführt.

 

Es gibt gerade auf fußballsportlichem Gebiet eine Fülle knifflicher Fragen und zweifelhafter Entscheidungen, deren Lösung und Richtigstellung von den Schiedsrichterorganisationen mit Gewissenhaftigkeit betrieben werden muss. Gerade die Auslegung des Sinnes und Zwecks der Abseitsregel erfordert vom Unparteiischen ein großes Maß an Urteilsfähigkeit und guten Willen.

Wenn den Schiedsrichtern daran gelegen ist, und es muss ihnen daran gelegen sein, sich bei Spielern und Publikum unbedingte Autorität zu sichern, dann dürfen sie auch nicht in Kleinig-keiten nachlässig seine. Spieler und Zuschauer haben eine sehr feine Nase für so etwas. Ist die Autorität erst einmal untergraben, dann ….ade mit Ordnung und Ruhe auf dem Spielfeld. Auch ein stetiger Erfahrungsaustausch unter Schiedsrichtern ist sehr wünschenswert und sollte auch von den Vereinen unterstützt und gefördert werden

 

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Juni 1931: Otto „Tull“ Harder - eine „besondere“ Karriere!

Tull Harder Unvergessen sind die Taten des langen HSV-Mittelstürmers „Tull“ Harder; geb., am 25.11.1892 in Braunschweig. In den Gedankengängen und in den Herzen, sowohl der Hamburger als auch der Sportler ganz Deutschlands, leben die gewaltigen sportlichen und spielerischen Fähigkeiten dieses großen Mittelstürmers sicher noch lange fort. Für seinen Verein, dem Hamburger Sportverein, hat der unverwüstliche „Tull“ in den langen Jahren ungeheures geleistet. Immer war er zur Stelle, wenn es galt, entweder in der Vereinself die hohe Würde eines deutschen Meisters zu erringen, oder seine Stadt, seinen Verband oder ganz Deutschland auf dem Spielfeld zu vertreten.

 

Zu seinem großen Unglück, wurde „Tull“ Harder bekanntlich bei einem Spiel gegen Victoria und kurz vor der Olympiade so schwer verletzt, dass er an der Olympiade nicht teilnehmen konnte – das war sein größter Schmerz!

 

Er unterzog sich einer schmerzlichen Knieoperation und laborierte eigentlich bis in die letzten Monate an dieser Verletzung herum. Bei seinem Alter und dieser schweren Verletzung, war nicht zu erwarten, dass es „Tull“ gelingen würde nochmals zu alter Stärke zurückzufinden. So kam es, dass man beim HSV darangehen musste, sich einen neuen Sturmführer heranzubilden. Bisher ist dies noch nicht gelungen, aber unser Spielermaterial zeigt einige höchst talentierte Kräfte.

 

Wir möchten an dieser Stelle nochmals daran erinnern, dass auch gerade die Öffentlichkeit immer wieder betont hat, wie schmerzlich es ist, ein solch strahlendes Licht und Großen des Fußballs unter der Last der schweren Verletzung und der Jahre vergehen zu sehen. Wir hätten uns sehr gewünscht, das „Tull“ sich in das Unvermeidliche gefügt und seine große Karriere bei uns beendet hätte.

 

P.S.: Otto „Tull“ Harder wechselte 1931 zum SC Viktoria Hamburg und beendete 1933, nach einem angeblichen Gastspiel beim VfB Kiel, mit 41 Jahren endgültig seine Fußballkarriere.

 

Kriegsverbrecher (Quelle Wikipedia)

Otto Harder trat am 1. Oktober 1932 der NSDAP (Mitgliedsnummer 1.345.616) und 1933 der SS bei. Nach seiner Einberufung zur Waffen-SS wurde er ab Ende August 1939 Wachmann im KZ Sachsenhausen in Oranienburg. Von November 1939 bis zum Frühjahr 1940 war er zunächst bei der Wachmannschaft und ab April 1940 in der Lagerverwaltung des KZ Neuengamme in Hamburg tätig. Ab August 1944 war Otto Harder als SS-Hauptscharführer Kommandant des KZ Hannover-Ahlem. Am 30. Januar 1945 erfolgte noch seine Beförderung zum SS-Untersturmführer.

 

Ein britisches Militärgericht verurteilte ihn im Rahmen der Curiohaus-Prozesse am 16. Mai 1947 als Kriegsverbrecher zu 15 Jahren Zuchthaus. Die Strafe wurde später auf zehn Jahre Haft reduziert. Während der Verhandlung distanzierte er sich nicht vom Nationalsozialismus und bekannte sich „nicht schuldig“.

 

Der Hamburger SV schloss sein Mitglied vorübergehend aus. Bereits Weihnachten 1951 wurde Harder vorzeitig aus dem Zuchthaus Werl in Westfalen entlassen. Otto Harder starb am 4. März 1956 im Alter von 63 Jahren in Hamburg. Am Begräbnis nahmen zahlreiche Vereinsvertreter des Hamburger SV teil und Jugendspieler des Vereins bildeten eine Ehrenwache.

 

Anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 gab der Hamburger Senat eine Broschüre heraus, in der Otto „Tull“ Harder, neben Uwe Seeler und Jupp Posipahl, als Vorbild für die Jugend genannt wurde. Dies fiel erst einen Tag vor der Verteilung auf, daher ließ man die entsprechende Seite aus allen 100.000 Exemplaren der Auflage entfernen.

 

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Juli 1931: Sommerpause - Training in Ochsenzoll

Mit Mühe und Not, sowie mit schwerem „Ach und Krach“ wurde im vergangenen Jahr auf dem Fußball-Bundestag in Dresden endlich eine sechswöchige Sommerpause beschlossen.

 

Nicht alle von Euch werden die spielfreie Zeit zu einer Reise nutzen. Der Juli ist daher der geeignete Monat, es endlich einmal mit dem Trainingsbetrieb in Ochsenzoll zu versuchen. Leider behagt das ja manchem wegen des weiten Weges nicht, aber liebe Kameraden, es muss diesmal endlich Ernst gemacht werden. Wir haben diese herausragende Anlage, um die uns viele Vereine beneiden und wollen sie auch nutzen. Wir fordern deshalb die Spieler, die im Juli in Hamburg weilen, hiermit offiziell zum Training in Ochsenzoll auf. Trainingsbeginn ist an den Mittwochabenden im Juli um 18:00 Uhr und es kann sich jeder bis zum Dunkelwerden herumtummeln. Anschließend an das Training findet stets ein gemütliches Beisammensein statt.

 

Merkt Euch also bitte vor: Der erste Trainingsabend ist der nächste Mittwoch 18:00 Uhr.
Wir erwarten rege Teilnahme aus allen Mannschaften.

 

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August 1931: Rückblick

Mit einer Enttäuschung beginnt die neue Spielserie. Gegen den Österreichischen Meister Vienna Wien, hat der HSV am Rothenbaum nichts zu bestellen und muss die Wiener Ballkunst mit 3 :7 anerkennen. Das erste Punktspiel der neuen Serie bestreitet der HSV am 2.8. auf dem Reinmüller-Platz. Hier schlägt er, erstmals in einem Meisterschaftsspiel mit Rudi Noack, den Neuling HEBC mit 7:3. Am 15. + 16.8. folgen 2 Freundschaftsspiele gegen den Dresdner SC. In Dresden endet das Spiel unentschieden mit 2 :2 und in Weißenfels wird der Gegner, im Rahmen des Mitteldeutschen Verbandstages und unter Leitung von Dr. Pecco Bauwens, mit 4:2 bezwungen. Im zweiten Punktspiel am 30.8. besiegt der HSV am Rothenbaum St. Pauli mit 7:0.

 

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September 1931: Rückblick

Am 6. schlägt eine Kombination aus HSV und St. Pauli die Hamburger Turnerstädte-Mannschaft mit 4: 1. Beim Spiel gegen eine Städtemannschaft aus Berlin, stellt der HSV den Hauptteil: Horn, Blink, Beier, Risse, Wollers, Halvorsen, Carlsson, Sommer, Noack und Sveistrup. Von Union kam der Läufer Wahn noch dazu und die Berliner Auswahl wurde mit 3: 2 besiegte.

 

Die 3 Verbandsspiele entscheidet der HSV zu seinen Gunsten. Am 13. gegen Wacker Billstedt 3: 1, am 20. gegen St. Pauli 4: 2 und am 27. gegen Victoria Hamburg mit 3: 1. Dieses Spiel hatte dadurch seinen besonderen Reiz, weil die vom HSV zu Victoria gewechselten Tull Harder und Hans Rave zum ersten Mal auf dem Platz ihrer größten Erfolge im blau-gelben Dress antraten.

 

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September 1931: Hamburger Auswahl besiegt Berlin

Am 6.September fand das Städtespiel Berlin gegen Hamburg statt. Für Hamburg spielte die gesamte HSV-Mannschaft, mit Ausnahme von Mahlmann, dem man den Unioner Wahn vorgezogen hatte. Der Sturm spielte mit Sommer, Wollers, Road, Speistrup in einer Aufstellung, die man in Hamburg noch nie gesehen hat und vorläufig auch nicht sehen wird. Leider hat nämlich Sommer Hamburg verlassen und wird demnächst wohl bei Hertha BSC spielen. Sein Wegzug ist – ganz abgesehen von seinen spielerischen Qualitäten – besonders deshalb zu bedauern, weil er von Jugend an im HSV war.

 

Der HSV konnte die wohl stärksten Berliner Stadtmannschaft mit 3: 2 schlagen, nachdem es bei Halbzeit noch 1: 2 gestanden hatte. Jahrelang war es keiner Hamburger Mannschaft gelungen, die Berliner in ihrer Heimat zu schlagen. Ausschlaggebend für den Erfolg, war besonders das Spiel der Läuferreihe, das Berlin in der zweiten Spielhälfte zu Boden zwang. Carlson konnte durch einen Fernschuss das entscheidende Tor erzielen. Mit diesem Erfolg hat unsere Ligaauswahl ihre Nominierung als Städte-mannschaft glänzend gerechtfertigt.
Nach dem schlechten Abschneiden Norddeutschlands gegen den Westen, am 23. August, war dieser Hamburger Sieg besonders erfreulich.

 

Am gleichen Tag fand am Rothenbaum und zu Gunsten der Erwerbslosenspeisung, ein Spiel statt, zwischen einer Kombination aus der HSV-Ligareserve und St. Pauli. Gegner war die Stadtauswahl der Turner: Das Spiel endete 4: 1 (Halbzeit 3: 1) für die HSV: St. Pauli-Auswahl.
Der Besuch war leider geringer als gehofft und erwünscht. Hätten wir die Ansetzung dieses Spiels voraussehen können, so wären wir zu einem späteren Zeitpunkt zum Spiel gegen die Berliner Auswahl gefahren. Dann wären sicher mehr Besuchen zu diesem Wohltätigkeitsspiel gekommen. Immerhin konnte noch ein kleiner Betrag von 110 Reichsmark an die Winterhilfe überwiesen werden.

 

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Oktober 1931: Rückblick

Die drei Punktspiele des Monats, bringen dem HSV fünf Zähler. Im Einzelnen: Am 4.10. gegen Altona 93 3: 3, am 18.10. gegen Eimsbüttel 8: 2 und am 25.10. gegen St, Georg 4: 2. Dazwischen (11.10.) liegt ein Freundschaftsspiel gegen den 1.FC Nürnberg. Während sich die Hintermannschaften die Waage halten, besitzt Nürnberg den einwandfrei besseren Sturm, der das Spiel dann auch mit 3: 1 zugunsten der Gäste entscheiden konnte. Das Hamburger Tor gelang Rudi Noack beim Stande von 2: 0.

 

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Dezember 1931: Rückblick

Die vier Verbandsspiele bringen 8 Punkte, wobei im einzelnen folgende Siege errungen werden: Gegen Union 4: 2, gegen Wacker 5: 0, gegen St. Georg 5: 2 und gegen St. Pauli gelingt ein 3: 2 Sieg. Frank Horn dementiert alle Gerüchte, die von einem Vereinswechsel nach Berlin wissen wollen.

 

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Januar 1932: Rückblick

Allen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zum Trotz, führte der HSV am 19. Dezember seine Weihnachtsfeier durch. Unsere Ligamannschaft festigte ihre Meisterschaftsaussichten durch einen 6: 2 Sieg über Holstein Kiel – obwohl wir ohne den erkrankten Halvorsen spielen mussten.
Gegen den alten zähen Gegner Union langte es auf unserem Platz nur zu einem 3:3. Mehrere unserer Spitzenspieler wirkten beim Wohltätigkeitstreffen Hamburg-Altona am Rothenbaum mit, das mit 7: 0 einen unerwartet klaren Sieg unserer Mannschaft brachte.

 

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Februar 1932: Rückblick

Die Vereinszeitung konnte nicht immer monatlich erscheinen, sodass die Berichterstattung chronologisch etwas durcheinander erscheint. Merkmal der Meisterschaftskämpfe war, dass der HSV ganz überlegen die Norddeutsche Meisterschaft in der Tasche hatte, und abgesehen von gelegentlichen „Ausrutschern“ seine Spiele durchweg mit beachtlichen Tordifferenzen für sich entschied. In dieser Zeit gewann der HSV außerdem mit „Kalli Politz“ einen der besten Linksaußen, den er je gehabt hat. Der mit „Kalli“ besetzte linke Flügel, gehörte lange zu dem Besten, was der deutsche Fußballsport zu bieten hatte.

 

Nachdem das letzte Meisterschaftsspiel gegen Eimsbüttel mit 4: 0 gewonnen war, lautete der Endstand der Meisterschaft 87: 27 Tore. Gegen den Bremer SV führten wir zur Pause mit 4: 0, und waren letztlich froh mit 4: 2 die Oberhand behalten zu haben. Auch unsere Reserve wurde mit 96: 25 Toren Hamburger Meister.

 

Das waren noch Zeiten!

 

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März 1932: Rückblick

Siege und Niederlagen wechseln in bunter Folge. Im einzigen Punktspiel schlägt der HSV am 13.3. Eimsbüttel mit 7: 1. Freundschaftsspiele werden ausgetragen gegen Hertha BSC 1: 3 (19.3), gegen die Sportfreunde in Leipzig 4: 3 (20.3.), gegen den WAC Wien 1: 1 (25.3.), in einem Vorrundenspiel zur Norddeutschen Meisterschaft wird der Bremer SV mit 4: 2 geschlagen.

 

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April 1932: norddeutsche Meisterschaft

HSV und Holstein Kiel ohne Gegner

Nach Arminia Hannover konnten am Sonntag zwei weitere Teilnehmer an der Endrunde um die Norddeutsche Fußball-Meisterschaft ermittelt werden. Es qualifizierten sich erwartungsgemäß der Hamburger SV und Holstein-Kiel. Die Elf des HSV, war in ihrem Kampf gegen den VfB Peine eindeutig überlegen und gewann mit 6: 0. Bereits zur Pause führte der HSV mit 4: 0 Toren. Holstein Kiel setzte sich in Hildesheim gegen die Elf von Hildesheim 06 mit 4: 1 (4: 0) ebenfalls leicht durch.

 

In beiden Spielen trennte ein Klassenunterschied die jeweiligen Gegner. Im dritten Spiel des Tages wurde Komet-Bremen von Eintracht Braunschweig mit 4: 3 (1: 1) geschlagen. Der Sieger dieser Gruppe wird am kommenden Sonntag im Spiel zwischen Altona 93 und Eintracht Braunschweig ermittelt.

HSV - Holstein Kiel 8:1

Macht der HSV seinen Stilweg zurück? Es hat fast den Anschein. Er legt wieder erstes Gewicht auf spielerisches Können! Dass die eigentlichen Großkönner wie Noack, Sveistrup, Gloede und auch Dörfel wieder „blitzten“ – prima! Technisch prima, taktisch noch besser. Schnelligkeit war Trumpf, Uneigennützigkeit Bedingung jeder Handlung. Man baute an systemvoller Sturmarbeit, tat das richtig und zweckhaft. Man nutzte die Lagen – wenn auch noch nicht alle -, denn dann hätte Holstein durchaus 10 oder 14: 1 verlieren können.

 

War also der Angriff des HSV, das Verhältnis von einem Orkan zu einem Lüftchen, so war der Leistungsunterschied im Vergleich zur Kieler Fünferreihe und der Deckungsreihen des HSV noch eklatanter.

 

Halvorsen spielte Ohm in Grund und Boden, dirigierte, schob, führte sachlich und nüchtern, aber dennoch im reinsten Mannschaftsdienst – verkörperte Zweckhaftigkeit.

 

Carlson und Mahlmann spielten, als seien gegnerische Flügelläufer gar nicht da! So selbstsicher, klug, ruhig und richtig. Dadurch waren die Kieler Sturmflügel zerrissen und beide Verbinder lahmgelegt – in des Wortes wahrstem Sinne.

 

Beier und Risse – harte Hunde. Ein bisschen vom Zahn der Zeit angenagt, aber brauchbar – verdammt gut brauchbar! Und Blunk? Das, was er tun musste, war verhältnismäßig wenig, aber er tat es.

 

Noch nie sind vierzehntausend Kieler so jäh, unvermutet und hart enttäuscht worden. Noch nie hat sich das weit reifere Können der Hamburger so überzeugend durchgesetzt.

 

Die Tore: Dörfel bereits nach 5 Minuten 1: 0, Halvorsen 2: 0 Strafstoß 15 Minute, Noack auf Dörfel 3: 0, Noack alleine 4: 0, Gröber – Abpraller – 5: 0, Noack herrlicher Flachschuss 6: 0, dann war Pause. Noack kurz nach der Pause 7: 0, Ludwig unglückliches Eigentor 7: 1, Dörfel kurz vor Schluss 8: 1. – was für ein Spiel!

 

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April 1932: Rückblick

Im letzten Spiel der Vorrundengruppe 1, zur Norddeutschen Meisterschaft, schlägt der HSV den VfB Peine mit 6: 0 (2.4.). Mit drei Siegen aus drei Spielen und 17: 3 Toren, bei 6: 0 Punkten, ist er souveräner Vorrunden-Gruppensieger. Aber dieses Torverhältnis wird noch, in der Runde der vier Gruppensieger, übertroffen. Hier werden Altona 93 (16.04.) und Arminia Hannover (23.04.) jeweils mit 3: 0 geschlagen und Holstein Kiel (30.04.) sogar mit 8: 1 überfahren.

 

Hier die Abschlusstabelle:
1. Hamburger SV       3 Siege  14: 1   Tore   6: 0 Punkte
2. Holstein Kiel           2 Siege  10: 10 Tore   4: 2 Punkte
3. Altona 93                1 Sieg       8: 9   Tore   2: 4 Punkte
4. Arminia Hannover  0 Siege    1: 13 Tore   0: 6 Punkte

 

Am 9.April gewinnt der HSV ein Freundschaftsspiel gegen den VfR Harburg mit 11: 4.

 

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April 1932: Fußball-Jugend in Ochsenzoll

Ist es nicht eine Freude für jeden HSVer zu hören, dass verschiedentlich Väter unserer Knaben, die selbst in anderen Vereinen groß geworden sind, oder anderen Sportvereinen seit vielen Jahren angehören, zu uns gekommen sind, um uns ihre Anerkennung über unsere gute Knabenabteilung auszusprechen, der ihre Jungs mit seltener Begeisterung angehören? Für Herrn Gratenau sicherlich das schönste Lob für seine unermüdliche Tätigkeit, unsere Kleinsten zu Sportsleuten und HSVer heranzuziehen.

Dieses Jahr wurde nun zum ersten Mal der Versuch gemacht, einige der Osterferientage mit unseren Knaben in Ochsenzoll zusammen zu verbringen, wohin sie auf Sammelfahrscheinen für 10 Pfennige fahren konnten. 78 Jungens leisteten gleich am Ostendienstag dem Ruf des HSV folge. Morgens wurde zunächst Gymnastik getrieben. Dann kam selbstverständlich der Fußball zu seinem Recht. Beides unter Anleitung unseres Trainers, Herrn Kertensz.

Zum Mittagessen hatte Frau Stoltenberg den Knaben eine Boullion für 10 Pfennige zubereitet, die ihnen die Berge von Butterbroten, Eiern etc. zu verdünnen half. Nachmittags ging es zu Spielen in den Wald und in die Heide, bekanntlich in nächster Nähe unserer Ochsenzoller Anlage. Ein neuer Beweis, wie wertvoll uns Ochsenzoll ist. Welcher Verein könnte 78 Knaben gleichzeitig Spielgelegenheit auf Plätzen geben, die ihres Gleichen suchen und in Hamburg einmalig sind.

Wir werden auch in den weiteren Ferien solche Spieltage für unsere Jugend einlegen und sie wieder hinaus nach Ochsenzoll, abseits von Lärm und Toben der Großstadt, führen. Wer sah, mit welcher Begeisterung die Kleinen dabei waren, weiß, dass sie unserem Ruf auch in Zukunft gerne folgen werden.

 

An die Eltern unserer Knaben, ob sie unseren Sportbetrieb und unsere Anlage in Ochsenzoll kennen oder nicht, richten wir diese Bitte: Kommen Sie am Sonntagvormittag, den 8.Mai, hinaus nach Ochsenzoll!

Unser Mitglied, Herr Ernst-Friedrich Suhr in Firma Commeter, hatte die Liebenswürdigkeit, unserer Knabenabteilung einen Wanderpokal zu stiften, den wir für alle Vereine ausgeschrieben haben.Die erste Vorrunde um diesen Pokal steigt am 8.Mai auf allen Plätzen in Ochsenzoll.

 

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Quelle: HSV-Archiv
Zusammenstellung: HSV-Seniorenrat

HSV-
Archiv
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