Fußball 1960 - 1964

November 1960: Rückblick

Nachdem der HSV in der ersten Runde ein Freilos hatte, greift er am 2.November in die Spiele um den Europapokal der Landesmeister ein. In Bern schlägt der HSV vor einer Kulisse von 45.000 Zuschauern, nach glänzendem Spiel, die Young Boys Bern mit 5 : 0. Die Tore schossen Seeler (2); Stürmer (2) und Neissner (1).

Die von der Schweizer Presse mit Lob bedachte Mannschaft spielte in der Aufstellung: Schnoor, Piechowiak, Krug, Werner, Meinke, Dieter Seeler, Neissner, Dehn, Uwe Seeler, Stürmer, Dörfel. Verständlich, dass die „Rothosen“ im Rückspiel am 27.November nicht voll aufspielten. In Hamburg gab es dann auch nur nüchternes 3 : 3, nachdem die Young Boys schon mit 3 : 0 geführt hatten.

 

Die Punktspiele des Monats:
6.11. beim VfL Osnabrück 2:0 (das 100. Punktspiel in der Oberliga Nord ohne Gegentor); 13.11. 6:1 gegen FC St. Pauli. Am gleichen Tage stellt der HSV für das Amateurländerpokalspiel gegen den Südwesten (1:0) Heitland, Muuß und Bähre ab. Im WM-Qualifikationsspiel gegen Griechenland, in Athen, siegt Deutschland mit Seeler und Dörfel (1 Tor) 3:0. Am selben Tag gewinnt Hamburg das Städte-Spiel gegen Berlin mit 4:2. Im Hamburger Aufgebot der „gesamte Rest“ des HSV mit: Schnoor, Piechowiak, Krug, Kurbjuhn, Wulf, Kröpelin, Dieter Seeler, Dehn und Stürmer. Am 23.11. verliert Deutschland das Freundschaftsspiel gegen Bulgarien in Sofia mit 1:2. Seeler und Dörfel kommen nicht zum Einsatz

 

Flüchtlingsheim:
Die Diskussion um die Erstellung einer Flüchtlingsanlage (Stadion oder Millerntor) erreicht in der Öffentlichkeit ihren Höhepunkt. Aus allen Bevölkerungsschichten gibt es eine breite Unterstützung für den Standort des HSV (Stadion).

 

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Dezember 1960: Flutlichtanlage im Volkspark-Stadion

Flutlichtanlage Brief 1

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
mit großem Bedauern vernahm ich aus der Presse die Nachricht, dass der HSV-Antrag auf Errichtung einer Flutlichtanlage nicht genehmigt wurde. Wenn ich mich hier zum Sprecher eines großen Sportlerkreises mache – ich bin neben meiner Schultätigkeit Trainer des Amateurvereins SK Lüneburg -, geschieht das aus folgenden Gründen:

 

Es ist uns Sportler unerklärlich, dass eine Stadt wie Hamburg die finanziellen Mittel nicht aufbringen kann, eine Flutlichtanlage zu errichten, wo z.B. Bremen und selbst Lübeck solch eine Anlage besitzen.

 

Der HSV hat durch seine Spielstärke Millionenbeträge eingenommen und Millionen-beträge der Stadt zufließen lassen. Der HSV ist wohl der geachtetste Verein in Deutschland, weil er durch seine vorbildliche Breitenarbeit zahlreichen Jugendlichen eine echte Freizeitbetätigung ermöglicht und dadurch einen bedeutsamen pädagogischen Beitrag erfüllt. Wenn der HSV seine Europapokalspiele in einer anderen Stadt austragen müsste, würden der Stadt Hamburg bedeutende Gelder verloren gehen.

 Flutlichtanlage Brief 1

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
als Vertreter aller Lehrlinge und Jungangestellte unseres Betriebes, die fast alle begeisterte Anhänger der HSV sind, möchten wir Sie fragen, ob Sie alle Möglichkeiten zur Erreichung des Zieles, eine Flutlichtanlage im Stadion zu bauen, geprüft und auch ausgeschöpft haben?

 

Wir wissen, dass die Errichtung einer derartigen Anlage mit hohen Kosten verbunden, und die Unterstützung der Hamburger Bürgerschaft erforderlich ist. Wenn diese sich nach Erringung der Deutschen Meisterschaft mit der Errichtung einverstanden erklärt hat, dann muss sie auch zu ihrem Wort stehen und kann nicht einfach die getroffene Planung wieder verwerfen.

 

Sollte die Hamburger Bürgerschaft auch weiterhin auf ihren zuletzt geäußerten Standpunkt beharren, so wären wir bereit, mit Fackeln und Kerzen ins Stadion zu ziehen, damit der HSV sein Europa-Cup-Spiel gegen Bern am Abend bestreiten könnte.

 

Welch eine Blamage wäre das für die Stadt Hamburg und ihre Bürgerschaft!

 

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Dezember 1960: in der Schweiz bei Young Boys Bern

Der Tages-Anzeiger für Stadt und Kanton Zürich schreibt:

Der Hamburger Sport-Verein gehört gegenwärtig zu den besten Klubmannschaften Europas. Seine Leistung im ersten Europacuptreffen gegen die Young Boys Bern in Bern, hat auch beim Schweizer Publikum einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Man hat die sportliche Seite des 5 : 0-Erfolges auch gebührend gewürdigt. Die Hamburger gefielen ganz besonders durch eine geschlossene Mannschaftsleistung.

 

Das ist keineswegs erstaunlich, wenn man weiß, dass 8 der 11 Spieler, die in Bern eingesetzt wurden, aus den eigenen Reihen hervorgegangen sind. Schnoor, Meinke, Krug, Werner, die beiden Seeler, Stürmer und Dörfel spielten schon in der Jugend des HSV und wurden von Trainer Günther Mahlmann für die erste Garnitur nachgezogen. Der heute 24-jährige Mittelstürmer Uwe Seeler wirkte schon als 18-jähriger Junior erstmals in der ersten Mannschaft des HSV mit. Torhüter Schnoor und Stopper Meinke wurden ebenfalls schon als Junioren ins „Fanionteam“ promoviert.

 

Die Spieler des Hamburger Sport-Vereins gehören zusammen – das sah man auch in Bern. Sie sind durch eine gute Kameradschaft und Treue zu ihren Klubfarben miteinander verbunden. Das ist ein Moment, dem leider im modernen Fußballsport viel zu wenig Beachtung geschenkt wird. Wir leben im Zeitalter, da man den Erfolg durch „kostspielige Käufe“ von „Stars“ aus dem In- und Ausland anstrebt.

 

"Wir haben keine Zeit, um eigenen Nachwuchs heranzubilden.“ So hört man es vielfach von verschiedenen Klubleitungen. Dass es außerordentlich schwerfällt, aus einer bunt zusammengewürfelten Gruppe von Fußballern eine Mannschaft zu bilden, haben wir auch in der Schweiz schon an verschiedenen Beispielen erlebt. Trotzdem konnten sich nur wenige Klubleitungen dazu entschließen, die Kräfte für die erste Mannschaft vor allem in den eigenen Reihen der Juniorenabteilung zu suchen und sie entsprechend zu fördern.

 

Jeder Verein sollte seine Eigenheiten haben. Fehlen jedoch diese besonderen Kennzeichen eines Klubs und der Equipe, so ist meist der Mangel an innerem Zusammenhalt und wenig konstante Leistungen das Ergebnis. Wir kennen die Mannschaften, die in einzelnen Grüppchen aufgespalten sind zu genüge!

 

Der HSV ist der schlagende Beweis dafür, dass Mannschaftsgeist kein leerer Begriff ist! Die Hamburger Spieler sind in einem sportlichen Geiste erzogen worden. Sie sind in die Mannschaft, deren Spielauffassung und deren traditionelle Stärke hineingewachsen und bilden deshalb einen Block, den man nur schwer sprengen kann. Uns will scheinen, dass dieses Beispiel des Hamburger SV all denen zu denken geben sollte, die sich über sportliche Grundsetze hinwegsetzen und den Erfolg mit rein materiellen Mitteln erzwingen wollen.

 

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Februar 1961: Terminstreit mit FC Burnley

Der Fußball stand im Januar im Zeichen des Spiels unserer Ligamannschaft gegen den FC Burnley. Unsere Mannschaft hat, nach einem guten Spiel, mit 1 : 3 verloren. Die Entscheidung fällt nun in Rückspiel am 15. März in Hamburg.

 

Vor dem Spiel in Burnley konnte man „aufregende Dinge“ in der beliebten Hamburger 10-Pfennigs-Zeitung mit der Millionenauflage lesen. Da hieß es u. a.: „Harte Worte gegen HSV“; Trainer Mahlmann braucht nicht zu kommen“! „HSV – zeige Dich als Gentleman“!

 

Und einen Tag später las man:

„HSV MUSS am 18.Januar in Burnley spielen“!  „Der Terminkrieg ist beendet“! „Die UEFA hat ein Machtwort gesprochen“!

 

Wenn man das las, musste man vermuten, es fände ein erbitterter Krieg zwischen dem HSV und dem FC Burnley statt. Sicherlich gab das schöne Schlagzeilen her. Nur ein kleiner Fehler war dabei: Dieser angebliche Terminstreit fand nur auf den Redaktionstischen der Bild-Zeitung statt. In Wirklichkeit gab es diesen Streit gar nicht.

 

Was war denn wirklich geschehen?

Die UEFA überlässt es den am Europacup beteiligten Vereinen, sich über die Termine zu einigen. Für diese Runde stand ein zeitlich sehr großer Rahmen zur Verfügung. Es ist daher nur zu verständlich, dass alle Vereine bemüht waren, die für sie selbst günstigsten Termine zu bekommen. Das gilt für den HSV ebenso wie für den FC Burnley. Das hat nichts mit einem Krieg oder gar irgendwelcher Feindschaften zwischen den Vereinen zu tun. Es ist normal und ein legitimes Mittel, um sich in der Runde eine günstige Ausgangsposition zu verschaffen.

 

Da die beiden Vereine sich nicht auf Termine einigen konnten, musste dann, wie es die Bestimmungen vorsehen, die UEFA entscheiden. An dieser Geschichte ist nichts Aufregendes oder gar Sonderbares. Es sei denn, man will unter allen Umständen eine zugkräftige Schlagzeile liefern.

 

Was uns nicht gefallen hat, ist die Tatsache, dass die Sportredaktion der Bild-Zeitung in den entscheidenden Verhandlungstagen es für richtig hielt, dem HSV in den Rücken zu fallen. Die Bild-Zeitung hat sich hinter unserem Rücken direkt mit dem FC Burnley in Verbindung gesetzt. 

Wir können natürlich nicht beurteilen, ob das unsere Verhandlungsposition geschwächt hat.

 

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April 1961: Europapokal gegen FC Barcelona

Stand der letzte Monat noch ganz im Zeichen des Spiels gegen den FC Burnley, so werden die sportlichen Ereignisse des April völlig von den beiden Spielen um den Europapokal gegen den FC Barcelona eingenommen. Dem Spiel in Barcelona am 12ten, das unter Flutlicht vor einer Kulisse von 100.000 Zuschauern stattfand, wohnten etwa 3.000 Deutsche – darunter allein 800 Hamburger – bei. Nicht die Stars aus Barcelona bestimmten das Spiel, sondern Schnoor, Krug, Kurbjuhn, Werner, Meinke, und Dieter Seeler standen im Blickfeld. Sie gerieten auch n ich ins Wanken, als den Spaniern gleich in der 2. Halbzeit ein Tor gelang.

 

Dann kam der 26.April, das Rückspiel in Hamburg. 200.000 begehrten Karten, nur 70.000 fanden Platz im Volkspark Stadion. Die ersten 45 Minuten endeten torlos. In einer begeisternden 2.Halbzeit wurde der FC Barcelona niedergekämpft. Peter Wulf schoss in der 59.Min. einen geradezu sagenhaften Freistoß ins Netz der Spanier. Der Ausgleich war geschafft. Dann jagte Uwe Seeler der Ball in der 68.Min. ins kurze Toreck. Damit schien der Einzug ins Endspiel um den Europapokal geschafft. Jeden Augenblick musste der Schlusspfiff kommen, wollten die 70.000 aufjubeln. Aber dazu kam es nicht. Jene 10 Sekunden vor Spielende genügten dem FC Barcelona, um durch ein Tor von Kocsis zum 2 : 1 zu verkürzen und so ein Drittes Spiel zu erzwingen.

 

Unvergessen die Namen der Spieler, die diesen stolzen Erfolg an die Fahnen des HSV hefteten.

Schnoor, Krug, Kurbjuhn, Werner, Meinke, Dieter Seeler,
Neisner, Dehn, Uwe Seeler, Stürmer, Wulf

 

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Mai 1961: Diskrepanz zwichen reichen und armen Vereinen

20. Februar 1961: Sonniges Wetter, schwacher Wind aus südöstlicher Richtung, Bodenver-hältnisse gut. Mit einem Wort: Ideales Fußballwetter in ganz Deutschland. Schalke 04 spielt gegen den VfL Bochum, einem Verein aus der unteren Tabellenhälfte der Oberliga West. 33.000 Zuschauer sind in der Glückauf-Kampfbahn in Gelsenkirchen versammelt, als der Schiedsrichter das Spiel anpfeift.

 

Auf die Minute genau beginnt 300 km südlich von Gelsenkirchen, in Saarbrücken, ein anderes Spiel. Saar 05 spielt gegen Phönix Ludwigshafen, einem Verein aus der oberen Tabellenhälfte der Oberliga Süd-West. Hier wie dort ein repräsentatives Spiel aus der höchsten deutschen Spielklasse – mit einem Unterschied: In Saarbrücken stehen ganze 1.500 Zuschauer am Spielfeldrand, als der Schiedsrichter anpfeift.

 

Der Arme und der Reiche spielen im gleichen Haus und genießen natürlich 90 Minuten lang das gleiche Recht unparteiisch behandelt zu werde. 90 Minuten – danach ist alles anders!

 

Die Mannschaft aus Gelsenkirchen wird nach dem Spiel von einem Masseur in Empfang genommen; Herr über eine Unterwasser-Massage-Apparatur und modernste sanitäre Anlagen. Die 11 Spieler setzen sich danach in die Sauna und kühlen sich anschließend im Wasserbecken ab. Sie genießen, mit einem Wort, die Vorteile der 33.000 Zuschauer, die mit ihren Eintrittsgeldern für den Unterhalt der chromblitzenden Apparaturen im vereinseigenen Appartement sorgen.

 

Zur selben Stunde, säubert sich die Mannschaft von Saar 05 von den gleichen Strapazen des Spiels ungleich einfacher unter der Dusche. Oberflächlich betrachtet eine sinnvolle Säuberung der Körper, aber die Luxus-Säuberung in Schalke wirkt auch unter der Haut und in der Muskulatur. Und wer sich an die entspannende Wirkung der Sauna nach dem Spiel gewöhnt hat, der wird das Duschen danach nur noch als Abspülen empfinden.

 

Hermann Neuberger, Vorsitzender des Saarländischen Fußball-Verbandes: „Der Zuschauer-Durchschnitt liegt im Südwesten nicht über 3.000. Bei Saar 05 liegt der Durchschnitt nur bei 1.000 Zuschauer. Kaum ein Verein im Südwesten kann seinen Vertragsspielern mehr als das untere Limit von 50 DM mtl. bezahlen. Und das ist schon viel. Kaum ein Verein in diesem Regionalverband ist unverschuldet. Dabei gibt es bei uns noch eine zweite Vertragsspieler-Division. Das ist sportlicher und wirtschaftlicher Wahnsinn.“

 

Da wohnen also der Reiche und der Arme im gleichen Haus, doch der Mietzins der „Wohnung“ im deutschen Oberhaus des Fußballs ist für beide gleich. Dabei haben sie so wenig gemeinsam, wie der Krösus mit dem Bettler. Es droht der Ausverkauf! Längst ist der Appetit die Spitzenvereine ausländischer Ligen geweckt, die mit immer höheren Geldsummen „Unsere Besten“ locken.

 

Praktiziert wird in den deutschen Ligen indes längst im Dunkeln. Handgelder und sonstige Zu-wendungen, an den Büchern vorbei, haben längst Einlass in die Oberligen gefunden. Wie lange noch, bis der DFB erkennt, das Strafandrohungen und Prozesse gegen „sündige“ Vereine das Problem nicht lösen. Nun wird über eine Erhöhung von maximal 400 auf 800 DM mtl. nachgedacht.

 

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Juni 1961: Rückblick-Bundesliga, der lange Weg

Es hat auf dem Beirat des Deutschen Fußball-Bundes in Frankfurt nicht die vielfach erhoffte Sensation gegeben. Das nach dem Bundestag höchstes Gremium des deutschen Fußballs nahm lediglich den Bericht der zuständigen Kommission entgegen. Fest steht, das die Kommission die steuerlichen Probleme in einer Eingabe über das Bundesfinanzministerium an die Länder-Finanzministerien angefasst hat. Es soll klipp und klar festgestellt werden, welche Veränderungen sich speziell in steuerlicher Hinsicht durch die Entwicklung in Richtung auf eine Bundesliga ergeben.

 

Die Eingabe soll Grundlage für eine Besprechung bei der nächsten Sitzung der Körperschafts-steuer-Referenten der Länder-Finanzminister und Senatoren in Bonn sein. Ein Zeitpunkt für dieses Treffen steht noch nicht fest. In einem offiziellen Kommuniqué‘ heißt es: Da der weitere Gang der Arbeit weitgehend von den Entscheidungen der Länder-finanzministerien abhängt, muss die Kommission des DFB zunächst den Bescheid der zuständigen Behörden auf die Eingabe abwarten. Erst dann besteht die Möglichkeit, dem Beirat und Bundestag geeigneter Vorschläge zu unterbreiten.

 

Im engen Zusammenhang mit der Bildung einer zentralen Spitzenklasse im deutschen Fußball, steht die Verringerung der Zahl der Vereine im Vertragsfußball; bisher 124. Hierzu sollen Beirat und Verbände, nach einem Auftrag des letzten DFB-Bundestages im Juli 1960 geeignete Maßnahmen vorbereiten.

 

Die Vorsitzenden der Regionalverbände, die zu diesem Thema auf der Beiratstagung Stellung nahmen, vertraten übereinstimmend den Standpunk, dass es sinnvoll sei, vor Erledigung dieses Auftrags, zunächst den weiteren Verlauf und die Ergebnisse der Tätigkeit der „Bundesligakommission“ abzuwarten. Sie hielten es für richtig, beide Fragen miteinander zu lösen und damit eine zweimalige Änderung des Spielsystems – erst durch die Reduzierung der Vertragsspieler-Vereine, später durch die Einführung der Bundesliga – zu vermeiden.

 

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Juli 1961: Rückblick

Fußball-Urlaub! Das Spiel um den DFB-Pokal gegen Altona 93 am Rothenbaum, geht mit 1: 2 verloren. Der HSV verzichtet in diesem Spiel auf Uwe und Dieter Seeler, Meinke, Kurbjuhn, Werner, Stürmer, Dehn und Schnoor, um deren Jahresurlaub nicht zu stören.

 

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August 1961: Rückblick

Die neue Punktspielserie beginnt erfolgreich. Am 6.8. schlägt der HSV, erstmals mit Harry Bähre als Vertragsspieler, den VfB Oldenburg mit 1:0. Acht Tage später zieht der Neuling in der Oberliga-Nord, Bergedorf 85 mit 1 :7 den Kürzeren. Auch das Spiel in Nordhorn, gegen die Eintracht, sieht den HSV am 20.8. mit 5 :2 als Sieger. Auch das vierte Punktspiel am 27.8. gegen Concordia am Rothenbaum, wird vom HSV mit 4 :3 gewonnen.

 

Am 29.8. empfängt der HSV in einem Freundschaftsspiel im Volkspark-Stadion den Ranglistenzweiten Racing Paris. Das Spiel, erstmals unter Flutlicht, endet mit einem leistungsgerechten unentschieden 1 :1. Klaus Stürmer schließt einen Vertrag mit Racing Straßburg, dem der DFB allerdings seine Zustimmung versagt!

 

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September 1961: Rückblick

Die 4 Punktspiele im September entscheidet der HSV zu seinen Gunsten. Ohne Uwe Seeler, Klaus Stürmer, Horst Schnoor gewinnt der HSV am 3. gegen Eintracht Braunschweig 5: 3. Am 9. bezwingt der HSV Hannover 96 auf dessen Platz mit 1: 0. Vor 30.000 Zuschauer im Altonaer Stadion wird St. Pauli am 16. mit 3: 1 geschlagen. Auch das letzte Punktspiel am 24. gegen den VfL Neumünster kann der HSV mit 6: 1 siegreich gestalten.

 

In Düsseldorf bezwingt die Deutsche-Nationalelf am 20. Dänemark mit 5: 1. Uwe Seeler, in seinem 27. Länderspiel erstmals als Kapitän auf dem Platz, ist mit 3 Kopfballtoren an diesem Sieg beteiligt.

 

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September 1961: Jungmannen Norddeutscher Meister

Nachdem unsere 1. Jungmannen als Hamburger Pokalsieger schon im vergangenen Jahr im Endspiel um die Norddeutsche Jugendmeisterschaft nur knapp der Eintracht aus Braunschweig unterlag, gelang in diesem Jahr der große Wurf.

 

Die Meisterschaft wurde in diesem Jahr auf der Jahnhöhe in Harburg ausgetragen. In der Vorrunde gewann Eintracht Osnabrück gegen Polizei Kiel mit 3: 0 und unsere Mannschaft schlug Woltmershausen überlegen und verdient mit 6: 1. Unsere Mannschaft überzeugte besonders durch das gute Spiel in der 2. Halbzeit. Damit hieß das Endspiel HSV gegen Eintracht Osnabrück. Unsere Mannschaft spielte in folgender Aufstellung: Bernd Pecht, Jürgen Knabe, Michael Schatz, Holger Diekmann, Kai Petersen, Ulf Wittenhagen, Klaus Schumacher, Peter Woltmann, Hans-Joachim Körting, Klaus Vogler, Gerd Hein. Im ersten Spiel gegen Woltmershausen wirkten noch Ralf Trautwein und Olaf Prozesky (Fußverletzung) mit. Das Endspiel gewannen unsere Jungs mit 4: 3 (0: 1) und errangen damit den größten Erfolg seit Bestehen des, von unserem Ehrenpräsidenten Paul Hauenschild, gestifteten Pokals für die Fußball-Jugend-Abteilung.

 

Die Torfolge: 0: 1 bei Halbzeit, 1: 1 Schumacher, 2: 1 Körting, 2: 2 und 2: 3 Woldmann, 3: 3 und 4: 3 Körting. Das Spiel war bis zum letzten Augenblick spannend, wenn auch unsere Mannschaft leichte Feldvorteile hatte. Der Sieg war, Aufgrund der besseren Technik, verdient.
Die Presse schrieb: „Mit der HSV-Jugend siegte die unbedingt reifste Elf.“ Großen Anteil an diesem Erfolg haben Hinnerk Vogler und Gerd Krug, die langjährigen Betreuer und Trainer der Mannschaft. Allen Beteiligten gilt unser Dank. Herzlichen Glückwunsch – das habt Ihr feingemacht!

 

Der HSV gratuliert der 1.Jungmannen zu ihrem Pokalerfolg

v. l. stehend: Woldman, Dieckmann, Schumacher, Petersen, Schatz, Knabe, Körting
knieend: Prozesky, Hein, Vogler, Trautwein

 

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September 1961: HSV-Wimpel im Büro des  C.F. Barcelona

 Briefe, die uns erreichten!

 

Sehr geehrte Herren!

Während meiner diesjährigen Ferienreise durch Spanien, besuchte ich, als freier Sport-mitarbeiter des Westphalen-Blattes Bielefeld sowie des Gütersloher Morgenblattes, den C.F. Barcelona. Neben einem Interview, welches mir dort gewährt wurde, war mir ebenfalls Gelegenheit dazu gegeben, im Verwaltungsgebäude des C.F. Barcelona einige Aufnahmen zu machen. Als besondere Überraschung fiel mir dabei auf, dass der Wimpel des Hamburger Sport-Verein, der vor dem Europacupspiel ausgetauscht wurde, einen besonders würdigen Platz gefunden hat. Während Wimpel anderer Vereine in den Büros der Angestellten des C.F. Barcelona hingen, wurde der Wimpel des HSV im Zimmer des Präsidenten neben dem Bild vom Begründer des Fußballclubs Barcelona angebracht!

 

Ich glaube, dass auch Ihnen diese Besonderheit nicht bekannt war. Anbei übersende ich eine Fotographie, die ich Ihnen für Ihr Vereinsarchiv überlassen möchte.

 

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Dezember 1961: Dem „lieben“ Fan auf’s Maul geschaut!

Man findet ihn auf jedem der fünf Hamburger Oberligaplätze zwischen Bahrenfeld und Bergedorf. Er beschießt DIE Fußballspieler auf dem Rasen mit Schimpfkanonaden größten Kalibers und reagiert sich akustisch ab. Selbst die Beschwichtigungen seiner Frau neben ihm – „Papa, ich bitte Dich, die Leute“ – können seine Sarkasmen nicht entschärfen. Er hat die verschiedensten Berufe, die er mit großer Gewissenhaftigkeit völlig untadelig ausübt. Aber auf dem Fußballplatz ist er „ein wenig“ rabiater.

 

Dieser Mann hat keinen bestimmten Namen – er ist ein Typ. Er gehört grundsätzlich dem Verein an, mit dem er leidet und den er im Falle einer Niederlage mit ewiger Verdammnis zu bestrafen droht. „Das ist das letzte Mal, das man mich auf diesem Platz sieht“, hört man ihn schimpfen. Am nächsten Sonntag ist er aber wieder da!

 

Neulich saß er hinter mir auf der Tribüne in Bahrenfeld. Als Altona 93 zur Pause gegen Holstein Kiel mit 3:1 Toren zurücklag, hatte er die Platzherren bereits als Musterbeispiel fußballsportlicher Unzurechnungsfähigkeit hingestellt, sodass sein Nachbar ihn mit unschuldiger Miene fragte: „Sie sind wohl aus Kiel?“ Sekunden einer sprachlosen Empörung, ein ungläubiger Blick und dann mit fragendem Entsetzen zum Nachbarn: „Wie kommen Sie den darauf?“

 

Er merkt es gar nicht, dass er auf dem Kopf steht. Natürlich, man kann es heraushören, dass diese Kritik an sich selbst leidet. Diese Leute haben sogar ein Recht auf Kritik, weil sie selbst in die Wüste ein Angelgerät mitschleppen würden, wenn der Verein dort einen sportlichen „Fischzug“ machen möchte.

 

Spielende. Da verlassen 22 schweißüberströmte Spieler nach 90 hitzigen Spielminuten völlig erschöpft den Platz. Sie gehen durch ein Spalier neugieriger Zuschauer. Einer von ihnen kann es nicht lassen. Er tippt seinem speziellen „Sündenbock“ so beim Vorübergehen auf die Schulter und sagt: „Bei diesem Spiel hast Du wohl noch zugenommen.“ Oder: Der Torwart hat sein Publikum vorher durch ein „vermeidbares“ Tor verärgert. Dann fliegt er bei einer anderen Szene in die äußerste Ecke und hält den Ball bravourös.  Schreit einer: “Das ist Zufall, der muss angeschossen worden sein“.

 

Es ist nichts Ungewöhnliches, dass die Spieler sich vor dem eigenen Publikum mehr fürchten als vor dem der gegnerischen Mannschaft. Der Sündenbock ist eine auf den Fußballplätzen weitverbreitete „Tiergattung“. Die Besserwisser benötigen ihn wie das liebe Brot und lassen ihn nur selten aus den Klauen. In Bergedorf nicht anders als in Bahrenfeld oder beim HSV.

 

Beim HSV kommen die Spitzfindigkeiten von oben herab. Denn hier ist fast alles abonniert. Die norddeutsche Meisterschaft, der Heimsieg und die Jahreskarte auf dem Sitzplatzforum. Man abonniert beim HSV am Rothenbaum etwa so, wie bei Gustav Gründgens im Schauspielhaus. Das Risiko enttäuscht zu werden ist gering, dann man ist grundsätzlich Herr im eigenen Haus.

 

HSV-Kapitän Jochen Meinke sagt: „Manchmal muss man sich als Spieler wirklich schämen, bei dem; was da von der Tribüne so alles gerufen wird. Nicht immer sitzen auf diesen Plätzen die Fachkritiker – und gerade die sind meist am lautesten zu hören.“
 

 

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Januar 1962: Die Fußball-Bundesliga hat wohl noch Weile

Am „grünen Tisch“ wurde ausreichend Spannung im Fußball-Lager gegeben: Die speziell in der Boulevard-Presse stark befürwortete Einrichtung einer Fußball-Bundesliga beschäftigt weit und breit die Gemüter – aber es hat noch Weile. Da es im Sprichwort heißt, gut Ding will Weile haben, so hatte der vom DFB eingesetzte Ausschuss, unter der Leitung des Vorsitzenden Hermann Gösmann wirklich Zeit seine Absichten zu ventilieren. Was daraus herausgekommen ist, das hat die Entwicklung leider zu deutlich gemacht. Und so gibt es nicht wenige unter unseren alten Kameraden, die, die jetzt an das alte Goethe-Wort vom Zauberlehrling denken.

 

Und doch – in Hamburg rief König Fußball und alle kamen. Wie schon einige Wochen vorher, als bei strömenden Regen 40.000 Besucher zum Freundschaftsspiel des AC Mailand (1: 0 für den HSV) ins Volkspark Stadion kamen.

 

Auch als am 13.Dezember Bundestrainer Sepp Herberger mit seiner nahezu stärksten Nationalmannschaft gegen den HSV antrat, konnte tagelanger Regen und selbst Sturmböen die knapp 60.000 nicht vom Besuch des Spiels abhalten. Sie brauchten ihr Kommen auch nicht zu bereuen. Aus einem 0: 3 zur Pause machte der HSV in einem mitreißenden Ansturm in der zweiten Halbzeit ein 4: 3 Sieg. Drei Treffer von Uwe Seeler und Nummer 4 von dem überragenden Micky Neisner rissen die Massen von den Bänken.

 

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Februar 1962: Flutkatastrophe und Ligaspiele

Überschattet wurde das sportliche Geschehen im Februar durch die Flutkatastrophe, die in einem heute unvorstellbaren Ausmaß in das Leben der Weltstadt eingriff. Spielausfälle im Sport, von denen auch wir betroffen wurden, waren eine, schmerzliche Folge der Verheerungen, die das Wasser in unserer Vaterstadt angerichtet hat und viele Todesopfer forderte.

 

Von Bedeutung für den Start der deutschen Fußball-Bundesliga war es, dass Verbänden und Vereinen der Status der Gemeinnützigkeit, auch im Falle der höheren Bezahlung der Spieler, erhalten bleiben sollte. Damit war der Weg frei für die Bundesliga. Sportlich begann der Monat für den HSV mit einem „Kanonenschlag“. Vor 65.000 Zuschauer schlug unsere Liga Elf den inoffiziellen damaligen Mannschafts-Weltmeister „Penarol Montevideo“, mit 2: 0, wobei Uwe Seeler und Harry Bähre mit zwei herrlichen Kopfballtreffern die Helden des Tages waren.

 

In den Meisterschaftsspielen besiegten wir Altona 93 mit 6: 2, spielten in Braunschweig gegen die sehr starke Eintracht 2: 2, wobei Uwe Seeler 30 Sekunden zu spät den Siegtreffer erzielte. Sehr unerwartet mussten wir zu Hause gegen den VfR Neumünster (1: 1) einen Punkt abgeben. Unser Programm war durch Spielausfälle sehr gedrängt; was eine mögliche Erklärung für die deutliche Packung gegen den FC Barcelona (1: 5) sein könnte.

 

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März 1962: HSV in der südafrikanischen Presse

Sehr geehrte Redaktion,
der beigefügte Ausschnitt erschien am 28.Dezember 1961 im "Star", der Johannesburger Abendzeitung, und ich bin davon überzeugt, dass ihre werten Sportleser Interesse daran finden werden. In unregelmäßigen Zeitabständen erscheinen im "Star" kurze Berichte über die berühmtesten Fußballvereine der Welt und diesesmal war der HSV an der Reihe.

 

Die Übersetzung lautet folgendermaßen:

Die größten Vereine der Welt – Nr. 26 - Hamburger SV

Wenige deutsche Vereine haben auf die Fußballwelt den gleichen Eindruck gemacht, wie jene der benachbarten europäischen Länder, Jedoch der Hamburger Sport-Verein gewinnt nun viel an Prestige. Als der älteste aller deutschen Vereine (gegründet 1887), war der HSV für die letzten zwei Spielzeiten Meister seiner Liga.

 

Der Verein hat schon immer große Spieler hervorgebracht, und einer der bekanntesten der letzten Jahre war JUPP POSIPAL – kräftiger und wirksamer Verteidiger in der deutschen Weltmeisterelf im Jahre 1954. Schon über 30 Länderspielberufungen kann er verbuchen und war gleichzeitig Spielführer für seinen Verein und sein Land.

 

Sehr viel von Hamburgs neuerlichen Erfolgen ist wohl auf das Können seines dynamischen Spielführers UWE SEELER, einer der besten Mittelstürmer Europas, als auch auf das wirkungsvolle Läuferspiel seines Bruders DIETER SEELER zurückzuführen. Ihr Vater ERWIN SEELER, spielte auch 20 Jahre lang für Hamburg. Bevor er sich im Jahre 1950 aus dem aktiven Fußballspiel zurückzog, traten seine beiden Jungs dem Verein bei. Mittlerweile wurden sie schon oft in die westdeutsche Nationalmannschaft einberufen.

 

Uwe, brillanter Spiel-Gewinner, wurde im Jahre 1960 zum „Fußballer des Jahres“ gewählt. Heute ist er ein vielbegehrter Mann und könnte eine Traumsumme von Real Madrid bekommen, die ihn als Nachfolger für den großen ALFREDO DI STEFANO haben möchte.

 

Mit freundlichen Grüßen aus Südafrika
Hochachtungsvoll
(Hans Stech)

 

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Quelle: HSV-Archiv
Zusammenstellung: HSV-Seniorenrat

HSV-
Archiv
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