Fußball 1970 - 1974

Juli 1971: Nachruf Klaus Stürmer

Im August wäre Klaus Stürmer 36 Jahre alt geworden. Dieser Satz ist erschreckend, erschreckend vor allem für seine ehemaligen Kollegen und Mitspieler im HSV, die im gleichen Alter stehen. Der Tod des Freundes hat plötzlich viele bewusster leben lassen, und beim Abschied in Glinde kam nicht von ungefähr die Frage auf: Ist es nun schon so weit, dass wir uns nur noch auf Beerdigungen sehen?“

 

Die letzte Begegnung mit Klaus werden die, die dabei waren, nicht vergessen. Er kam noch einmal nach Hamburg, vom Tod schon gezeichnet, und doch ungebrochen. Scheinbar unbeschwert tranken wir unser Bier. Klaus machte es allen leicht den, eigentlich, unaussprechlichen Anlass dieses Treffens zu verdrängen, ihn zumindest für Stunden vergessen zu machen. Wir wissen jetzt von seiner Frau Thoby, dass ihn diese Fahrt sehr angestrengt und weit zurückgeworfen hat – er wollte es so. Wir sind froh einen kleinen Teil zu dieser gewissen Erleichterung mit einem letzten Treffen beigetragen zu haben.

 

In diesen Stunden erlebten wir Klaus noch einmal komprimiert, wie wir ihn immer in Erinnerung hatten. Unkompliziert, geradeheraus, umwerfend optimistisch, mitreißend in seinem Unternehmungsgeist – wohl niemand in seiner näheren Umgebung, der davon nicht ergriffen worden wäre. Klaus beschäftigte uns alle, noch lange, lange nachdem er längst aus unserem Blickfeld verschwunden war. Das ist kein Gerede!

 

Dieser kurze Rückblick endet nicht wie ein üblicher Nachruf. Mit Klaus zusammen hatten wir ein Benefizspiel geplant – die Zeit war ihm leider nicht mehr gegeben. Wir werden es in seinem Namen starten. Wir sollten die alten Knochen noch einmal zusammennehmen – Klaus zuliebe!

 

Klaus Stürmer 9. August 1935 - 1. Juni 1971, HSV 1953 – 1961, 158 Spiele, 114 Tore

 

Am Rothenbaum trat die Weltmeisterelf von 1954 unter Leitung von Alt-Bundestrainer Sepp Herberger zu einem Gedächtnisspiel zu Ehren von Klaus Stürmer und zur Unterstützung für Frau und Sohn an. Im Osnabrücker Stadtteil Hellern wurde 1972 die Straße Am Sportplatz in Klaus-Stürmer-Straße umbenannt.

Karl-Heinz Jens, der damalige Chef vom Dienst des Kicker-Sportmagazin, führt in seinem Nachruf am 3. Juni 1971 aus: Klaus Stürmer war der Denker – Uwe der Vollstrecker. Was Stürmer plante, setzte Seeler in die Tat um. Seeler erahnte die Spielzüge von Klaus. Das Wort vom "Sich-blind-Verstehen", von Harmonie und Gleichklang hatte hier Gültigkeit wie selten zwischen Spielern, die sich so ideal ergänzten wie Klaus und Uwe.

 

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Quelle: HSV-Archiv
Zusammenstellung: HSV-Seniorenrat

HSV-
Archiv
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