Hauptverein HSV e. V.

November 1912: Sollen wir jüdische Sportvereine aufnehmen?

„Verfolgt ein Verein politische oder religiöse Zwecke, so ist eine Mitgliedschaft nach unseren Statuten unzulässig“. So heißt es in §5 unserer Satzung!

Wie aber, wenn ein Verein dem nur Juden angehören, keine religiösen, sondern nur sportliche Zwecke verfolgt? Aus der Tatsache, dass Mitglieder der jüdischen Glaubensgemeinschaft angehören, kann doch keinesfalls gefolgert werden, dass sie durch diese Verbindung nur religiöse Zwecke verfolgen. Er schließt nur andersgläubige aus. Christliche Jünglings-Vereine werden aufgrund ihrer religiösen Ausrichtung doch auch nicht abgelehnt. Es hat Sportvereine gegeben, die sich „recht vorne“ darstellen wollten und keine Volksschüler aufnahmen. Man hat darüber gelächelt und heute sind sie von diesem „Spleen“ kuriert!

Ja warum gründet man denn jüdische Turn- oder Sportvereine? Weil sie auch fühlen, dass ihnen Turnen, Sport und Spiel genauso Freude bereitet und sie auch nach körperlicher Ertüchtigung streben. Nun gibt es auch in der jüdischen Jugend diejenigen, die sicher nie in einen allgemeinen Sportverein eintreten würden. Oft sind es ganz unbegründet ängstliche Naturen, denen noch jene Gettoluft früherer Generationen anhaftet. Wenn sich diese Jungens aber auf dem grünen Rasen tummeln, so ist zu sehen, wie sie auftauen, wie Frohsinn und Jugendlust in ihre Herzen einzieht. Daher sollte man die Bildung jüdischer Sportvereine nicht verbieten, sondern begrüßen. Im sportlichen Verkehr mit uns werden sich etwaige Gegensätze abschleifen und wir sollten stolz darauf sein, tolerant zu handeln und unseren Grundsätzen folgen: „Religion und Politik“ sind in unseren Bestrebungen ausgeschlossen!

 

<<< zum Seitenanfang >>>

1919: Entstehung der Raute

HSV-Logo und Farben der Spielkleidung

(Dieser Artikel erschien im Januar 1982 im Archiv)

Schöpferische Phantasie und hanseatische Tatkraft führten zu diesem, in seiner Einmaligkeit und Einprägsamkeit, weit über die Grenzen hinaus bekannten Erkennungsmerkmal unseres Vereins. Ohne die sonst üblichen Insignien wie z.B. XY von anno dazumal, oder besonderen Hinweisen auf die Stadt oder Region, wirkt es gerade mit seiner Einfachheit. Wer es nicht kennt, dem ist nicht zu helfen.

 

Die Sportjournalisten vom Hamburger Abendblatt interessierten sich plötzlich für die Frage, wie unser Emblem einst entstanden sei, und da gab es zu unser aller Überraschung eine große Verlegenheit. Denn niemand, auch nicht die ältesten Senioren, wussten etwas Genaueres. Doch einiges haben wir recherchieren können und dabei auch manch Amüsantes aus der guten alten Zeit erfahren.

 

Dazu gehört z.B., dass der Vater von Otto Sommer, unser sehr guter Rechtsaußen der Jahre 1924 – 27 und vor dem 1.Weltkrieg Platzwart beim H.F.C. von 1888, bereits am 1.November 1910 das Rothenbaum-Gelände von der Stadt gepachtet hatte und nicht erst 1919.

 

Es war zunächst nur eine bessere Wiese, ohne weiteren Komfort. Schulkinder durften, wenn Honoratioren ein Spiel besuchten, für 20 Pfennige zusehen, oder bei freiem Eintritt Gartenklappstühle aus einem nahe gelegenen Schuppen holen und nach dem Spiel wieder wegbringen. Sie taten es gern – ganz ohne Jugendschutzgesetz.

 

Aber nun zur Sache. Klar war, dass beim Zusammenschluss 1919 die Farben „blau, weiß, schwarz“ als Traditionsfarben der drei Vereine auch die neuen Traditionsfarben sein mussten.
Neu war allerdings, dass die Spielkleidung weiß-rot sein sollte. Dies‘ war als Ovation für die Hansestadt Hamburg gedacht und zeugt von dem Idealismus und Selbstbewusstsein der Gründer, dass der HSV sich als Repräsentant der Stadt fühlte und betrachtet werden wollte – allen „miesenickelingen“ Pressekommentaren zum Trotz.

 

Als Abzeichen war zunächst ein rhombisches Viereck in den HSV-Farben geplant, wie es damals in der Jugendbewegung weit verbreitet war. Aber Hamburg war eine Hafenstadt und der neue Verein übernahm auch eine Wassersport-Abteilung, die bereits einen Bootswimpel, ähnlich denen der Schifffahrtslinien, hatte.

 

Viele Reedereien bedienten sich auf ihren Schiffen viereckiger und farbiger Wimpel wegen ihrer Linienklarheit und besseren Erkennung auf weite Sicht. Damit stand die Grundidee fest. Nach weiteren Entwürfen war das, seit dieser Zeit, unveränderte HSV-Abzeichen geboren.
Maßgeblich am Zusammenschluss, an den Fragen der Sportkleidung und des Abzeichens waren damals die Herren Lenzen, Schwabe, Holm, Hentsch, Lüthjens, Stöhwase, Erdland, Hay, Moss, Seydel, Dörr und last not least Emil Martens und Paul Hauenschild beteiligt. Alles Namen, die wirklich HSV-Geschichte geschrieben haben.

 

Somit kann man Spielkleidung und Abzeichen als Symbol für die Verbundenheit des HSV mit seiner Stadt und der christlichen Seefahrt betrachten.

 

<<< zum Seitenanfang >>>

Januar 1923: Kampf zwischen Turn und Sport

Es liegt eine tiefe Tragik in diesem Kampfe zwischen Turnen und Sport. Heute, wo uns die äußere Not zu innerer Einigkeit zwingen sollte, wo der Feind nicht nur mehr vor den Toren, sondern schon in den Straßen unserer Städte und Dörfer steht, heute, wo nur engster Zusammenschluss uns retten könnte, in diesem Augenblick geraten Turn und Sport nach alter deutscher Unsitte aneinander und zerfleischen sich gegenseitig?

 

Ist es nicht genug, dass der politische und wirtschaftliche Kampf die besten Kräfte unsres Volkes lahmlegt? Müssen wir den Hader nun auch noch auf ein Gebiet übertragen, das so viel zum Wiederaufbau unseres Volkes beitragen könnte? Es gibt Raum und Arbeit genug für alle auf dem Gebiet der Leibesübungen, und jeder kann sich zum Segen der Jugend vollauf in seinem Gebiet betätigen. Gegenseitiger Respekt und Anerkennung ist der Weg – nicht Krieg und der Wille zur Vernichtung!

 

Wie oft haben wir versucht einen Weg der gegenseitigen Akzeptanz zu finden und haben Vereinbarungen getroffen. Wenn es ihren Vorteil erheischte, haben sie sie gebrochen und neue Forderungen gestellt. Niemand kann von uns verlangen, dass wir unserer Überzeugung untreu werden, dass wir aufgeben, was wir in dreißig- jähriger Tätigkeit aufgebaut haben. Aus den letzten Maßnahmen der Turnerschaft müssen wir erkennen, dass sie den Kampf auf jeden Fall und um jeden Preis wollen. Nun gut, dann müssen wir den geworfenen Handschuh wohl aufheben.

 

Und doch kommt es immer wieder dazu, dass manch weiterblickende Turner den Wert des Sports erkennen, ja sogar die Fahne der Turnerschaft verlassen und sich Sport und Spiel zuwenden. Es ist tragisch und doch bezeichnend, dass viele der bekanntesten Führer im Sport der Deutschen Turnerschaft entstammen, und dass gerade sie es sind, die immer wieder auf die großen Gefahren hinweisen, die dem Sport von Seiten der Deutschen Turnerschaft drohen.

 

Wir alle wissen, sobald die Deutsche Turnerschaft den Sport unter ihre Fittiche nimmt, ist es aus mit der frischen und freien sportlichen Betätigung; denn alles was die Turnerschaft von sportlichen Spielen erfasst, erstarrt und verknöchert. Es mag sich ganz gut und behaglich in den geschützten Räumen der Turnhallen „wohnen“; aber wir Sportler; denen die klare und frische Luft der Spielplätze Lebensbedürfnis geworden ist, wir würden in der dumpfen Atmosphäre der Hallen verkümmern und ersticken.

 

<<< zum Seitenanfang >>>

August 1931: Unfall-Versicherung

Wir bitten alle Mitglieder, davon Kenntnis nehmen zu wollen, dass die Bedingungen unserer Unfall-Versicherung eine Abänderung erfahren haben. Um alle Irrtümer für die Zukunft auszuschließen, geben wir nachstehend noch einmal den genauen Wortlaut der heute gültigen Bedingungen bekannt.

 

Der Hamburger Sport-Verein hat für seine aktiven Mitglieder folgende Versicherung abgeschlossen:

Versichert sind alle Mitglieder, die sich bei Ausübung einer Sportart des Rasensportes für den HSV (mit Ausnahme des Rugbysportes) auf dem Sportplatz eine Verletzung zuziehen, für die sie ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen müssen, resp. durch die sie arbeitsunfähig werden, versichert. Voraussetzung hierfür ist, dass die halbjährliche Prämie von 1,- Reichsmark pünktlich bezahlt wird.

 

Die Richtlinien für die von der Versicherung zu zahlenden Beträge sind:

Wir zahlen

1. unseren Mitgliedern bis zum vollendeten 18.Lebensjahr Arztkosten bis zu einer Höhe von 60 RM, vorausgesetzt, dass sie nicht einer Krankenkasse angehören.

2. unseren Mitgliedern über 18 Jahre, die keiner Krankenkasse angehören, Arztkosten bis zu einer Höhe von 60 RM, Tagegelder i.H.v. 1 RM, bis zu einer Zeitdauer vom 30 Tagen.

3. unseren Mitgliedern über 18 Jahre, die einer Krankenkasse angehören, Tages-gelder i.H.v. 1,50 RM, bis zu einer höchsten Zeitdauer vom 60 Tagen.

 

Jeder Unfall, resp. Schaden, wird von uns nur reguliert, wenn folgende Bestimmungen genau eingehalten werden.

1. Das Mitglied muss sich binnen 24 Stunden nach dem erlittenen Unfall bei unserem Vertrauensarzt: Herrn Dr. Carl Mattheides, Hamburg, Bürgerweide 30, Telefon: Nordsee 6506, Sprechstunde täglich von 8 – 9:30 Uhr und 16:30 – 18 Uhr (außer sonnabends) vorstellen resp. den Arzt zu sich bitten.

2. Das Mitglied muss seinen Unfall binnen 24 Stunden in der Geschäftsstelle des Hamburger Sport-Vereins anmelden und ein dafür in Frage kommendes Formular ausfüllen resp. wenn das Mitglied durch diesen Unfall nicht persönlich kommen kann, sich dieses Formular anfordern.

 

Unser Vertrauensarzt bestimmt, ob ein Spezialarzt hinzugezogen werden soll oder nicht, ferner über die Dauer der Arbeitsunfähigkeit. Der Schaden wird vom Hamburger Sport-Verein nur reguliert, wenn das Formular, das in duplo ausgestellt werden muss und von dem ein Exemplar unser Vertrauensarzt erhält, mit dessen Unterschrift versehen wieder bei uns eingereicht wird.

 

<<< zum Seitenanfang >>>

September 1931: Jahreshauptversammlung

Die Jahreshauptversammlung brachte, nachdem alle Fragen auf der Alte-Herren-Versammlung besprochen waren, keinerlei Überraschungen. Herr Emil Martens und Herr Ernst Moß wurden einstimmig und mit unbeschränkter Vollmacht als Präsidium wiedergewählt. Vom Präsidium sind für ein weiteres Jahr die Herren Herbert Timm und Hans-Carlos Reimers mit der Leitung der Fußballabteilung beauftragt worden. Der Fußballausschuss ist sich bewusst, dass das vor ihm liegende Vereinsjahr voller Schwierigkeiten sein wird. In allererster Linie heißt es, Ochsenzoll auszubauen. Bei der augenblicklich herrschenden Wirtschaftskrise muss man leider damit rechnen, dass die Zahl der Arbeitslosen zum Winter bedeutend anwachsen wird und dadurch die Summe der eingehenden Beiträge sich sehr verringern wird. Es ist die Pflicht eines jeden Mitgliedes, welches noch verdient, pünktlich und unaufgefordert zu zahlen.

 

Unsere Mitgliedslisten haben wir in den letzten Wochen einer genauen Durchsicht unterzogen und viele Mitglieder gestrichen und die Beitragsschuld eingeklagt. Im Interesse eines ordnungsgemäßen Betriebes sind wir auch in Zukunft gezwungen rücksichtslos durchzugreifen. Den meisten Mitgliedern scheint es nicht klar zu sein, dass der Geschäftsverkehr des HSV dem einer kaufmännische Firma absolut gleichgestellt ist.

 

Der HSV mit seiner Geschäftsstelle, seinen sonstigen Mitarbeitern, wie Trainer, Masseure, Platzwärter usw., sowie seinen beiden Clubhäusern stellt einen Wirtschaftsfaktor dar, der genauso wirtschaften und kalkulieren muss, wie ein ordentlicher Kaufmann. Die gesunde finanzielle Basis des Vereins sind die Mitgliedsbeiträge, die dazu dienen müssen die Gehälter etc. zu bedienen. Wir können stolz darauf sein, dass wir eine Ligamannschaft haben, die uns aus den Wettspielen Überschüsse erbringt, die wir als Kapital in Ochsenzoll anlegen können. Es wäre eine wilde Spekulation, besonders in der heutigen Zeit, wo auch die großen Spiele nicht im Entferntesten die Einnahmen bringen wie bisher, sich auf diese Einnahmequelle zu verlassen und seinen Betrieb ausschließlich darauf aufzubauen.

 

Eine solide Kaufmannsfirma lässt sich aber auf derartige unsichere Einnahmen nicht ein, und daher darf auch der HSV die solide Basis nicht verlassen und muss seinen Apparat auch weiterhin auf die Einnahmen aus den Mitgliederbeiträgen aufbauen. Der Fußballausschuss hofft, dass diese Worte jedem klar und deutlich seine Pflicht dem HSV gegenüber gezeigt haben. Die Spielsperre für säumige Zahler besteht natürlich nach wir vor und es wäre im Interessen einer Mannschaft bedauerlich, wenn sie aus diesem Grunde bei den am 6.September beginnenden Pflichtspielen mit Ersatzleuten antreten müsste.

 

In diesem Jahr ist auch erstmals der Name „Jung-Reserve“ eingeführt worden. Neben der Reserve-Klasse gibt es jetzt eine Jugendreserve-Klasse, deren Spieler jederzeit mit der Reserve oder der Liga ausgetauscht werden können.

 

<<< zum Seitenanfang >>>

Oktober 1931: Wirtschaftskrise: Der HSV hält zusammen!

Die immer ernster werdende Wirtschaftskrise hat auch bei uns die Zahl derjenigen, die ihre Beschäftigung verloren haben, weiter anwachsen lassen. Wenngleich wir gegenüber anderen Vereinen doch noch günstiger dastehen. So möchten wir doch diese Gelegenheit nochmals nutzen, darauf hinzuweisen, dass wir selbstverständlich denjenigen, die ihre Stellung verloren haben, weitestgehend entgegenkommen und ihnen behilflich sein werden, über diese schwere Zeit hinweg zu kommen.

 

Wir müssen aber auf jeden Fall wissen, mit welchen Beitragseinnahmen wir rechnen können. Wir bitten Euch nochmals nachdrücklich, uns, bei Stellungsverlust, sofort zu benachrichtigen, damit wir dann eine Beitragsbefreiung eintreten lassen können und unsere Buchhaltung nicht mit falschen Einnahmen arbeitet. Rückwirkend können wir keine Beitragsbefreiung stattfinden lassen und es liegt deshalb im Interesse jedes einzelnen Mitglieds sich rechtzeitig mit uns in Verbindung zu setzen.

 

Wir befassen uns ständig damit, den stellenlosen Kameraden, soweit es in der heutigen Zeit möglich ist, bei Wiedererhalt einer Beschäftigung behilflich zu sein. Wir haben zu diesem Zweck, um die erforderlichen Unterlagen und Befähigungsnachweise zu haben, Fragebögen erarbeitet, die auf der Geschäftsstelle abgefordert werden können. Wir werden den in Not geratenen Kameraden, soweit dies in unseren Kräften steht, helfen. Wir bitten sich diesbezüglich mit Herrn Martens in Verbindung zu setzen. Die Sache wird natürlich absolut vertraulich behandelt.Stiftungen aus den Reihen unserer Mitgliedschaft, für die so in Not geratenen Kameraden, sind uns herzlich willkommen!

 

Wir haben uns dazu entschlossen, unseren in Not geratenen Kameraden, den Besuch auf unserem Rothenbaum-Platz kostenfrei zu ermöglichen. Wir geben zu diesem Zwecke auf der Geschäftsstelle besondere Ausweiskarten aus, die gegen Vorzeigen der Mitgliedskarte in Empfang genommen werden können. Gegen diesen Ausweis und der Mitgliedskarte, können die betroffenen Mitglieder, jeweils vor den Spielen, eine Freikarte auf der Geschäftsstelle ausgehändigt bekommen.

 

<<< zum Seitenanfang >>>

Februar 1932: Gebühren, Drucksachen und Strafgelder

Ein ganz besonderes Kapitel, für die Sparmaßnahmen der Vereine, sind die Gebühren der Verbände. Man weiß fast nicht, wo man zuerst anfangen soll, um festzustellen, dass die Gebühren sehr rasch abgebaut werden müssen, da dieselben schon längst nicht mehr der Zahlungsfähigkeit der Vereine entsprechen.

 

Es sieht heute so aus, dass viele Vereine nicht mehr in der Lage sind, einen für sie noch aussichtsvollen Einspruch weiter zu verfolgen, da das Risiko, evtl. in einer Berufung noch eine Summe von 20 Mark zu verlieren, für einen kleineren Verein viel zu groß ist. Dasselbe gilt für die Strafen. Man bedenke nur, dass das Fehlen eines Schiedsrichters augenblicklich 10 Mark kostet, das sind die Monatsbeiträge von 10 Mitgliedern.

 

Wenn man auf der anderen Seite berücksichtigt, dass in allen Vereinen der größte Teil der Mitglieder ohne Stellung ist, so ist es kein Wunder, dass es den Vereinen kaum noch möglich ist, die großen Ausgaben mit den minimalen Eingängen in Einklang zu bringen.
Es sind hier nur einige kleine Beispiele angeführt, denn alle Gebühren des Verbandes sind für die augenblicklich fatale wirtschaftliche Lage viel zu hoch und man muss sich wundern, dass der Verband von sich aus noch nichts unternommen hat, um hier den Vereinen entgegen zukommen.

 

Der Einwand, der natürlich sofort gemacht werden wird, dass die Strafen und Gebühren eine Haupteinnahme des Verbandes seien, ist wohl zu verstehen, aber wer denkt in dieser Beziehung an die Vereine und ihre Nöte?

 


Es muss möglich sein, dass die Strafen rund um die Hälfte abgebaut werden. Genauso verhält es sich bei den vom Verband gelieferten Drucksachen. 1,50 Mark für einen Block Spielformulare ist zu hoch, zumal, wenn man bedenkt, dass ein Verein mit mehreren Senioren-Mannschaften und einem mittleren Jugendbetrieb an jedem Sonntag, durch die geforderte doppelte Ausfüllung der Formulare, zu mindestens einen dieser Blöcke benötigt.
Der Verband, doch Großabnehmer derartiger Drucksachen, müsste doch hier Abstriche zugunsten der Vereine machen können. Auch die Spielausschüsse müssten angewiesen werden, mit Bestrafungen der Spieler, soweit es sich um Geldstrafen handelt, sehr sorgsam umzugehen.

 

Denn viele der zu „bestrafenden“ Spieler sind ohne Anstellung, sodass die Vereine damit belastet werden und ohne Aussicht die ausgelegten Strafgelder von den Spielern wiederzubekommen. Somit sind die Vereine in den meisten Fällen die Leidtragenden.

 

<<< zum Seitenanfang >>>

April 1932: Es ist der Geist, der sich den Körper baut

Jugendarbeit im Verein

Wie wir den Abteilungen bereits bekanntgegeben haben, sind die einzelnen Sportzweige, die unsere Jugend-, Schüler- und Knabenmitglieder betreiben, seit dem vergangenen Monat in einem gemeinsamen Jugendausschuss zusammengefasst worden und wir hoffen, dass die verschiedenen Herren, die die Abteilungen nach wie vor selbstständig betreuen, sich zu einer ersprießlichen Zusammenarbeit und zum Wohle eines jeden Einzelnen und der Gesamtheit zusammenfinden werden.

 

 Der Zweck dieser Maßnahme ist einleuchtend: Wir wollen keine Fußball-Knaben, oder Handball-Schüler oder Leichtathleten-Jugendliche haben, sondern eine geschlossene Jugendabteilung des HSV, die in großer freundschaftlicher Kameradschaft sich zum Ziele setzt, den HSV - wo auch immer er ruft – würdig zu vertreten!

 

Selbstverständlich soll jeder Jugendliche den Sport ausüben, zu dem er sich berufen fühlt, oder seine Neigung ihn treibt. Das höchste Ziel aber muss es sein, sich nicht einseitig auszubilden, sondern ein vielseitiger Sportsmann zu werden. Letztlich kommt dies auch der Weiterentwicklung in seiner Wunschdisziplin zugute. Vielseitig im Können, gradlinig im Charakter, einseitig in der Vereinstreue und Hingabe zu unseren Idealen. Gerade wer das Zeug in sich fühlt, einmal Großes zu leisten, muss von frühester Jugend an auf allseitige Ausbildung des Körpers bedacht sein.

 

Darum sind uns alle willkommen, die mit uns an der Verwirklichung dieser Ziele mitarbeiten wollen. Darum wünschen wir uns sehr, dass unsere Mitglieder nicht nur sonntags ein oder zwei Stunden ihren Sport ausüben, sondern regelmäßig zum Training kommen und bei den Übungen, insbesondere Gymnastik, willig und freudig mitmachen.

 

Den einzelnen Abteilungen möchten wir auch bei dieser Gelegenheit wieder zurufen, dass sie nicht nur aus “ersten Mannschaften“ bestehen und das für den Vorstand des HSV nicht etwa nur das Abschneiden der ersten Mannschaft ein Maßstab für eine gute Arbeit der Abteilung ist.
Im Gegenteil: Gerade das Abschneiden der unteren Mannschaften bietet das richtige Bild für die Gesamtleitung. Nur hieraus ist ersichtlich, ob und wie in der Abteilung gearbeitet wird.

 

An unsere älteren Mitglieder richten wir die Bitte: Arbeitet mit an diesem Ziel und stellt Euch, wenn möglich, für einige Stunden in der Woche zur Verfügung. Bitte meldet Euch beim Präsidium oder auf der Geschäftsstelle.

 

<<< zum Seitenanfang >>>

August 1932: Vereinsleitung/ Abteilungen

 

<<< zum Seitenanfang >>>

 

<<< zum Seitenanfang >>>

September 1932: Mitgliederbeiträge

 

 

<<< zum Seitenanfang >>>

Oktober 1932: Das Präsidium teilt mit

Beitragsannahme: Erfreulicher Weise hatten im Monat September verschiedene Säumige begonnen, ihre Rückstände abzutragen, und wir stellen gerne fest, dass unser Appell nicht ergebnislos verhallte. Leider hat der Beitragseingang im Oktober wieder nachgelassen und wir müssen unbedingt erwarten, dass alle, die den laufenden Monat noch nicht bezahlt haben, sofort nach Erhalt dieser Vereinszeitung den Oktoberbeitrag und evtl. weitere Rückstände einzahlen. Unsere Geschäftsstelle wird am Sonnabend den 22. Oktober bis 19:00 Uhr und Sonntag den 23. Oktober bis 12:00 Uhr geöffnet sein.

 

Unsere Mitglieder können dann noch ihre Freikarte zu dem Spiel HSV : Polizei erhalten. Weiter weisen wir auf das Großspiel am 6.November, HSV : Altona hin, zu dem unsere Mitglieder ebenfalls freien Eintritt haben, wenn der Oktober- und Novemberbeitrag entrichtet ist.

Autobesitzer, die ihren Wagen evtl. einmal Wochentags oder am Sonntag der Mannschaft oder der Verwaltung zur Verfügung stellen würden, werden gebeten ihren Namen auf der Geschäftsstelle für unsere Autoliste aufzugeben.

 

Anzeigenwerbung: Unsere erwerbslosen Mitglieder können sich einen guten Verdienst durch Werbung für unsere Vereinszeitung schaffen. Wir haben die Anzeigenannahme jetzt selbst in den Händen und vergüten für jedes erbrachte Inserat eine gute Provision. Aber auch alle anderen Mitglieder, die persönliche oder geschäftliche Beziehungen zu irgendeinem Inserenten haben, möchten wir bitten, unsere Vereinszeitung durch Werbung von Inserenten zu unterstützen.

 

Ein solcher Nebenverdienst wird sicher jedem in der heutigen Zeit willkommen sein. Anzeigentarife und Auftragsformulare können auf der Geschäftsstelle in Empfang genommen werden. Wenn gewünscht, kann eine kurze Einweisung gegeben werden. Jedes Inserat ist in dieser schweren Zeit eine sehr willkommene Entlastung unserer Druck- und Verwaltungskosten.

 

Jugendabteilung: Erfreulicherweise hat sich Herr Kurt Eggert für die Leitung der gesamten Jugendabteilung zur Verfügung gestellt. Herr Eggert, der als Junglehrer ganz besonders die notwendige pädagogische Eignung besitzt, hat noch gerade kürzlich für seine theoretischen und praktischen Arbeiten eine besondere Auszeichnung des Hamburger Ausschusses für Leibesübungen erhalten. Er wird die gesamte Jugendabt. nicht nur in sportlicher, sondern auch in geistiger und ethischer Beziehung so führen, wie es immer unser Ziel war.

 

<<< zum Seitenanfang >>>

Januar 1933: Jubiläum Emil Martens

Am 22.Dezember 1907 machte unser Emil zum ersten Mal ein „HSV-Fest“ mit. Es war das Weihnachtsfest des Hamburger Fußball-Club v. 1888 und am selben Abend (es kann auch spät in der Nacht gewesen sein) ist unser Emil Mitglied geworden. In Erinnerung an diesen Tag hatte Emil seine guten Bekannte und Freunde zum 22.12. in unser Klubhaus ein- geladen. Von den 187 geladenen Gästen mussten einige wenige absagen, weil sie zum Teil nicht in Hamburg sein konnten oder leider anderen Verpflichtungen nachkommen mussten. Die oberen Räume dienten als Empfangssalons und im Ehrenzimmer des HSV sammelte sich ein Blumenmeer und eine Vielzahl an Geschenken der Ligamannschaft, der Sportabteilungen, der Jugend, der Ausschüsse und verschiedener Freundeskreise.

 

Emil begrüßte seine Freunde und Kameraden mit strahlenden Augen, aber auch mit einem verlegenen Lächeln – ob all dieser Vielzahl an Ehrungen. Dann ging es nach unten in die Festräume. An den langen Tafeln hatte jeder seinen festen Tischplatz. Ein gelungener Empfang und ein Bild wirklich glanzvoller Präsentation des HSV. Der Reden waren zu viele, als dass wir sie inhaltlich wiedergeben könnten. Dr. Stealin trug dem Jubilar unter donnernden Beifall die Ehrenmitgliedschaft des Hamburger Sport-Vereins an, Henry Barrelett danke ihm für seinen unermüdlichen Einsatz für unseren Verein, Hermann Zetsche vom Bezirksvorstand ehrte Emil als vorbildlichen Führer und Paul Hauenschild plauderte von alten Erinnerungen. Dann schlugen die Wogen der Begeisterung immer höher. Vorträge, Gedichte und Musik, worunter ein prachtvoller und selbstkomponierter Song von Luisl Cornfield war, ließen die Stunden schnell verstreichen. Dem Vernehmen nach soll nachts noch ein Sonderbierwagen vorgefahren sein und die ganz unentwegten gingen vom Clubhaus direkt zum Kaffeetrinken.

 

Emil hielt in alter Frische bis zum Schluss durch und strafte eine „Fachzeitschrift“ Lügen, die ihm zum 50. Geburtstag gratuliert hatte. In rührender Melodie trug er zur Erbauung fromme, köstliche Weisen vor, sodass Manchem vor Ergriffenheit gar Tränen in die Augen kamen.

 

P.S.: Emil Friedrich Martens, geb. 17.Mai 1886 in Nusse (Kreis Herzogtum Lauenburg)
verstorben 15.Januar 1969 in Hamburg

 

<<< zum Seitenanfang >>>

Februar 1933: Kassenleitung - Einladung zum Lumpenball

 

 

<<< zum Seitenanfang >>>

März 1942: Kassenleitung - Mitgliedsbeiträge

Wir möchten mit dieser Feldpost allen unseren Mitgliedern, die bei der Wehrmacht sind, recht herzlich dafür danken, dass sie uns so regelmäßig Grüße aus dem Felde senden und bitten, es in Zukunft weiter so zu halten. Wir freuen uns über jede gute Nachricht die hier eingeht und trauern um jedes Mitglied, dass sein Leben für unser Vaterland gegeben hat.

 

Besonders danken wir allen Mitgliedern für die Geldspenden, die hier in großer Zahl eingegangen sind. Ihr könnt Euch sicher denken, dass es außerordentlich schwierig ist, den Verein unter den heutigen Verhältnissen über diese schweren Zeiten hinweg zu bringen.
Es sind zurzeit etwa 900 Mitglieder unter den Waffen und die Spieleinnahmen gehen von Jahr zu Jahr mehr zurück. Ganz abgesehen davon, dass im Januar und Februar wegen der Witterung fast gar nicht gespielt werden konnte und somit auch diese Einnahmen fehlen.

 

Wir tun hier in der Heimat natürlich alles, um den HSV zu erhalten, damit unsere Mitglieder, die jetzt im Felde sind, unseren Verein so wieder vorfinden, wie sie ihn verlassen haben.
Aber ihr könnt uns glauben, dass es sehr schwierig ist. Wir bitten deshalb, dass alle diejenigen Mitglieder, die dazu in der Lage sind, auch als Wehrmachtsangehörige, ihren Beitrag weiterzuzahlen oder uns hin und wieder durch Einzahlungen zu unterstützen.

 

Da auch viele Mitarbeiter unserer Vereinsleitung dem Ruf zur Wehrmacht gefolgt sind, ist mir die Kassenführung und das Beitragswesen übertragen worden. Deshalb bitte ich alle Mitglieder, mich in dieser Arbeit zu unterstützen und ihren Teil dazu beitragen, dass wir den HSV über diese schweren Zeiten glücklich hinwegbringen.

 

Paul Hauenschild

 

<<< zum Seitenanfang >>>

August 1951: Aufgaben des Mannschaftsführers, Teil 1

Ein Amt, das weder von vielen Vereinsvorständen noch von manchen Verbandsfunktionären in seiner großen Bedeutung genügend beachtet und geachtet wird, ist das eines Spielführers oder sagen wir zum besseren Verständnis lieber Mannschaftsführer.

 

Man hat zur Genüge feststellen können, dass in den meisten Vereinen entweder dem ältesten oder dem besten Spieler dieses verantwortungsvolle Amt übertragen wird, ohne danach zu fragen, ob dieser auch die notwendigen sonstigen Fähigkeiten besitzt, um diesem großen Maß an Aufgaben annähernd gerecht werden zu können.
Man lässt sich von der irrigen Meinung leiten, dass z. B. der beste Spieler auch in allen Fällen der beste Mannschaftsführer sein wird, was in unserer heutigen Zeit aber nur in den allerseltensten Fällen zutrifft. Ehrlich gestanden, geschieht dies aber meistenteils aus taktischen Gründen, um den Betreffenden durch eine solche „Ehrung“ möglichst fest an den Verein zu ketten. Den ältesten Spieler erwählt man auch immer wieder gern zum Mannschaftsführer, um ihn auszuzeichnen und zu ehren, was man schon eher verstehen kann.

 

Man sieht aber aus alledem, dass man sich in den meisten Vereinen der Bedeutung eines solchen Amtes gar nicht bewusst ist, ja kaum weiß, welche Aufgaben ein solcher Mannschaftsführer zu erfüllen hat. Es ist daher eine ganz natürliche Folge, dass sich die größte Zahl heutiger Mannschaftsführer gar keinen Begriff davon macht, was alles zu ihrem Aufgabengebiet gehört und welches Maß von Verantwortung sie durch die Annahme dieses Amtes auf sich genommen haben. Sie glauben vielfach, dass, wenn sie sich auf dem Spielfeld dem Gegner und Schiedsrichter gegenüben aller Förmlichkeiten entledigt haben, ihre Funktionen als Mannschaftsführer erschöpft seien. Sie meinen z.B., dass die ganze Aufgabe darin bestehe, zuzusehen, wie der Schiedsrichter vor dem Spiel, beim Losen, das Geldstück in die Luft wirft, um dann die günstigste Seite des Spielfeldes zu wählen. Aber das sind gerade die unbedeutendsten Aufgaben eines Spielführers.

 

Viele Vereinsvorstände selbst sind in Unkenntnis darüber, dass ein Mannschaftsführer, der seinen sämtlichen Pflichten nachkommt, unter zusagenden Umständen für sie eine ganz gewaltige Unterstützung und Arbeitsentlastung bedeutet und für den Verein ein Faktor sein kann, der mehr als jeder andere zu einer günstigen Fortentwicklung des gesamten Vereins beitragen kann.

 

Wir wissen, dass heute jeder Sportverein, der seine Sache ernst nimmt und vorwärtskommen will, nicht allein auf eine gute spielerische Leistung seiner 1.Mannschaft blicken darf, sondern auch auf Zucht und Ordnung, auf einen echten sportsmännischen Geist in den Reihen seiner Spieler und Mitglieder sehen muss, wenn seine Erfolge nicht nur Augenblickserfolge sein sollen.

 

Vorstand, Spieler, Mitglieder muss ein einigendes harmonisches Band edler Sportauffassung und Gemeinschaft umschließen, wenn er sich in unserer heutigen Zeit behaupten und vorwärts-kommen will. Diese Voraussetzungen zu schaffen, sie praktisch zu verwirklichen, ist das Hauptbetätigungsfeld eines Mannschaftsführers.

 

<<< zum Seitenanfang >>>

September 1951: Aufgaben des Mannschaftsführers, Teil 2

Was gehört also zu den Aufgaben eines Mannschaftsführers, wie muss er beschaffen sein, wenn er Erfolg haben will? Wir alle sind weder vollkommene Menschen, noch vollkommene Sportsleute. Darum braucht nun nicht jeder Spielführer die nachfolgenden Eigenschaften alle restlos zu besitzen, ein Teil genügt vielfach. Er muss allerdings bemüht sein, sich möglichst viele dieser Eigenschaften anzuerziehen. Wie ja überhaupt der eigentliche Zweck unseres Sports das Streben nach Vollkommenheit ist.

 

In spieltechnischer Hinsicht braucht er nicht der beste Spieler zu sein, denn nicht allein die körperlichen Fähigkeiten entscheiden hier. Immerhin muss er über ein gewisses Maß an spielerischen Können und vor allen Dingen über ein großes Maß an Spielverständnis verfügen. In Pünktlichkeit und Ordnung muss er seinen Leuten jederzeit ein gutes Vorbild sein. Zähe Ausdauer und Energie muss er nicht allein auf dem Spielfeld entwickeln, sondern auch im Ausgleich der persönlichen Gegensätze seiner Spieler. Hierzu gehört, speziell für die hiesigen Verhältnisse, ein ganz gehäuftes Maß an Menschenkenntnis.

 

Er muss ein guter Diplomat und ein nicht minder guter Redner sein, der seine Leute mit sich reißen kann und zu begeistern versteht. Eine rechte Sport-auffassung setzen wir als selbstverständlich voraus, und in diesem Sinne muss er auf „räudige Schäflein“ einwirken können. Einen Gerechtigkeitssinn muss er haben und persönliche Gründe jederzeit ausblenden können.Loben und tadeln mit Maß und Ziel und nach Verdienst, dem guten Spieler gleich dem Schlechten.
Ein gewisses Maß von Allgemeinbildung und erträgliche Umgangsformen sind unbedingt erforderlich, damit er durch sein gewandtes Auftreten den guten Eindruck seiner Mannschaft auf dem Spielfelde und auch außerhalb zu wahren und zu verbessern weiß. Energie muss er haben, um ungerechten Ansprüchen seiner Spieler gegenüber dem Verein in gebührender Weise entgegenzutreten und bei gerechten Ansprüchen seiner Mannschaft mit Entschlossenheit gegenüber Vorstand und Verein durchsetzen zu können.

 

Er muss regen Anteil an dem Verwaltungsbetrieb des Vereins nehmen, um jederzeit über den Stand der Entwicklung des Vereins unterrichtet zu sein und belehrend auf seine Spieler einwirken zu können.

 

Sollten sich Gegensätze, wie dies ja immer mal vorkommen kann, zwischen Vorstand und Spieler einstellen, so muss er die Gegensätze zu überbrücken versuchen und ausgleichend wirken. Er muss sich Autorität sichern. Nicht durch Schönreden jedem Spieler gegenüber, sondern durch rücksichtsloses Vorgehen, wenn einzelne Widerspenstige sich nicht an Zucht und Ordnung gewöhnen können. Er muss eben in allen Lagen ein Vorbild und Führer sein.

 

Die Spielregeln muss er völlig beherrschen und auch mit den einschlägigen Verbands-satzungen vertraut sein, um sein Recht auch evtl. am „grünen Tisch“ verteidigen zu können. Sehr oft kommt es auch vor, dass sich Gegensätze zwischen Spielern und den sogenannten „Passiven“ herauskehren. Da muss er ebenfalls wieder versöhnend eingreifen um Frieden zu stiften.
Eine der wesentlichen Eigenschaften für einen perfekten Spielführer ist die gute Laune.
Bei verdrießlichen Momenten soll er wieder eine fröhliche Stimmung bei seinen Leuten hervorrufen können. Wie er bei seinen Spielern den Mann des Vertrauens verkörpert, so muss er das Vertrauen des Vorstandes und des ganzen Vereins zu erwerben trachten. Wer sich um Mannschaftsführerehren bewirbt, muss sich der Pflichten dieser Würde bewusst sein. Dies alles gehört mit zu den Aufgaben eines Mannschaftsführers.

 

Wenn er auch nicht alle der besagten Eigenschaften besitzt, so darf sich aber ebenso wenig seine ganze Tätigkeit in dem Auslosen der Spielhälfte und dem Ausbringen des Sportrufes erschöpfen. Er muss erkennen, dass ein Mannschaftsführer weit wichtigere Aufgaben hat und wenigsten mit den ihm zu Gebote stehenden Mitteln versuchen, diesen Aufgaben nach seinen Möglichkeiten gerecht zu werden.

 

Es bleibt zu hoffen, dass in dieser Beziehung die Zeilen nicht zwecklos gewesen sind. Gerade diese sogenannte „Kleinarbeit“ eines Mannschaftsführers ist für den ganzen Verein von so großer Wichtigkeit, dass, wenn hier der rechte Mann am rechten Platz, sie für das Gedeihen und die günstige Fortentwicklung eines Vereins von größerem und entscheidenderem Einfluss sein kann, als der so manch eines „Offiziellen“. Es ist heute kein Geheimnis mehr, dass nicht allein das spieltechnische Können einiger Spieler für den Erfolg einer Mannschaft steht, sondern das auch der Geist einer Mannschaft sehr häufig ausschlaggebend ist.

 

Diesen rechten Geist in seiner Mannschaft, im Verein, wachzurufen und zu erhalten, ist das A und O der Aufgaben eines Mannschaftsführers. Es ist das Geheimnis der Erfolge und das stärkste Rückgrat für eine Aufwärtsentwicklung eines Vereins!

(Entnommen der Club-Zeitung des FC Bayern München 1951)

 

Jochen Meinke P.S.: Jochenfritz Meinke war unser Mannschaftsführer in den fünfziger und sechziger Jahren - bis zur Gründung der Bundesliga. In seiner Zeit ist es dem HSV gelungen 13 von 14 möglichen Meisterschaften in der Oberliga Nord zu gewinnen. Damals die höchste deutsche Spielklasse. Manch Spieler aus dieser Zeit, nennt ihn heute noch „Boss“. Der Hamburger Sport-Verein bedankte sich bei Jochen Meinke mit einem Ehrenspieler-Vertrag zu Beginn der Bundesliga 1964.

 

<<< zum Seitenanfang >>>

März 1952: Kartenvorbestellungen, Kartenverkauf

Im Interesse aller Mitglieder und Interessenten, bzw. auf Grund der ab 1.April 1952 einsetzenden personellen Einschränkungen auf der Geschäftsstelle, werden die Vorbestellungen und Kartenverkäufe auf der Geschäftsstelle zukünftig wie folgt geregelt:
Beginn des Vorverkaufs ist jeweils am Montag der dem Spiel vorausgehenden Woche. Der Vorverkauf endet jeweils am Donnerstag der gleichen Woche um 17 Uhr.

 

Zu diesem Zeitpunkt müssen alle reservierten Karten abgeholt und bezahlt sein. Spätere Vorbestellungswünsche oder Abholungen können leider keine Berücksichtigung mehr finden. Alle Eintrittskarten, sowie die bis zum Endtag, auf der Geschäftsstelle, nicht abgeholten Vorbestellungen, werden an die Vorverkaufsstellen zum Verkauf freigegeben.

 

Diese Maßnahmen sind erforderlich geworden, nachdem die Beschaffung bzw. Zurück-stellung von Eintrittskarten einen derartigen Umfang angenommen haben, der für die Mitarbeiter der Geschäftsstelle untragbar geworden ist. Die oben angeführte Neuregelung geschieht im Interesse einer schnelleren und zweckmäßigeren Bearbeitung und zugunsten aller Interessenten.

 

Es werden daher alle Mitglieder und Anhänger unserer Sportveranstaltungen gebeten, sich schnellstens dieser Neuregelung anzupassen.

 

 

<<< zum Seitenanfang >>>

April 1952: Ist deutsch-deutscher Sport noch möglich?

gesamtdeutsche Mannschaften mit der DDR

Am 8.April soll jetzt in Zürich ein neues Ost-West-Gespräch, über die Bildung einer gesamtdeutschen Leichtathletik-Mannschaft, stattfinden. Dieses Gespräch ist angesetzt worden vom Internationalen Leichtathletikverband, welcher eindeutig festgelegt hat, in Belgrad könne nur eine gesamtdeutsche Mannschaft starten.

 

Nachdem zunächst die Vertreter der Ostzone die gesamtdeutschen Gespräche in der Schweiz abgelehnt hatten, liegt jetzt für das Gespräch am 8.April eine Zusage vor. Nun, man wird sehen, was dabei herauskommt. Es ist auch jetzt wieder kritisiert worden, dass die westdeutsche Sportführung an solchen Gesprächen teilnimmt. Ich habe vor 2 Monaten schon einmal ausgeführt, dass man natürlich über diese Dinge verschiedener Meinung sein kann, aber es nicht die Aufgabe des Sports, politische Gegensätze noch zu verschärfen.

 

Vielmehr hat der Sport, wenn er überhaupt eine politische Aufgabe hat, dann dies: Wenn den Menschen in den getrennten Lagern noch Dinge gemeinsam sind, so sollte man versuchen sie zu erhalten.

 

Der Sport sollte nicht trennen, sondern verbinden. Dieses sollte auch für die jetzige Situation gelten. Warum sollen sich nicht deutsche Menschen aus Westdeutschland und deutsche Menschen aus Ostdeutschland in der schweizerischen Stadt Zürich zusammensetzen? In einem Zeitpunkt, in der die deutsche Wiedervereinigung ferner zu liegen scheint als je zuvor, kann das Interesse aller Deutschen doch nur darin liegen, die wenigen noch verbliebenen Gemeinsamkeiten zu pflegen und zu erhalten.

 

Das haben in den vergangenen Jahren, mit viel Erfolg, die beiden großen Kirchen geschafft, bis es von der Regierung in Pankow unterbunden wurde. Sollen wir wirklich im Sport, der jetzt die letzte Basis für gemeinschaftliches Handel darstellt, diese letzte Brücke vom Westen her abbrechen? Ich meine, wir sollten auch hier das schlechte Geschäft des Brücken-Abbruchs dem Osten überlassen.

 

<<< zum Seitenanfang >>>

Februar 1961: Die Amateurfrage

Heftige Diskussionen über die Amateurfrage beherrschten die Sport-Öffentlichkeit schon im letzten Monat. In der Januar-Ausgabe der Sportzeitung „Der Sport“; schrieb Ernst Werner u. a.: „Gern stimmen wir dem weisen Professor Carl Diem zu, wenn er die Amateur-Bestimmungen als eine Art Sport-Jugendschutzgesetz bezeichnet, das erhalten bleiben müsste. Auch der Anspruch sportliche Leistung zu vollbringen, ohne daraus sogleich materiellen Nutzen zu ziehen, muss erhalten bleiben. Aber an Verstößen dieses Prinzips gehen nicht die Olympischen-Spiele zu Grunde. Wenn diese Idee gefährdet ist, dann ist es der Verstoß gegen die Wahrheit.

 

Die Sylvester-Ausgabe vom Hamburger Abendblatt veröffentlichten hierzu deutliche und eindringliche Worte von Georg H. Meurer: Auch die alten Griechen waren keine Amateure. Ihre Olympiasieger ließen sich ihre Erfolge – wir wissen es aus der Geschichte – gut bezahlen und waren steuerfreie Bürger von großem Ansehen. Unsere „Profiverbrennung“ ist nichts als eine Folge jener weitgreifenden Griechenverkennung, mit der die Historiker des 19. Jahrhunderts jenes für die Realitäten doch so aufgeschlossenes Volk bestraft haben.

 

1894, auf dem Pariser vorolympischen Kongress, wurde dieses Missverständnis gleich einem Glaubensbekenntnis in den Grundstein des neuzeitlichen Olympia einzementiert. Seitdem ist an dem Amateurbegriff immer wieder herumgezerrt worden, aber niemand hat sich die Mühe gemacht oder den Mut gehabt, seine Wurzeln zu analysieren oder gar zu kritisieren. Denn diese liegen im falschverstandenen Hellenentum einerseits und im angelsächsischen Gesellschaftssnobismus andererseits.

 

War doch der Sport damals noch eine Sache der oberen Zehntausend, die sich mit Geld niemals die Fingen schmutzig gemacht hätten. Nun, diese Klassenbeschränkungen wurden aufgehoben, aber die Amateurphrase blieb. Geriet auch der Klassendünkel in Diskussion, so blieb doch sein Ableger, der Amateur-heiligenschein, unangetastet.

 

Auf seinem Kongress in Athen will sich das IOC 1961 grundsätzlich mit einer Neufassung des Amateurstatuts beschäftigen. Der Kanzler Otto Mayer hält es sogar für möglich, dass sich im IOC eine Mehrheit für eine Veränderung der Amateurregel ausspricht. Aber er sagt im gleichen Atemzuge, dass Präsident Avery Brundage wie ein Erzengel vor dieser Phrase stehen und sie mit allen Raffinessen verteidigen wird – erfolgreich, wie der Kanzler des IOC glaubt.

 

Wem wäre damit gedient? Einer längst widerlegten historischen Legende, einer hohlen Phrase und Lüge, die das Märchen vom blütenreinen Amateur begleitet, weiterhin das Wort zu reden. Wenn der Kanzler Otto Mayer recht hat, gäbe es eigentlich nur eine Forderung: Abtreten, Mr. Brundage !

 

 

<<< zum Seitenanfang >>>

August 1961: der neue Amateurstatus

Das Internationale Olympische Komitee hat nach langen und sicher recht schwierigen Verhandlungen eine neue Formulierung des sogenannten Amateur-Paragraphen beschlossen. Der neue Amateur-Paragraph lautet:

 

Ein Amateur ist jeder, der ohne materiellen Gewinn am Sport teilnimmt und immer teilgenommen hat. Um als Amateur qualifiziert zu sein, ist es notwendig, sich folgender Bedingungen zu unterwerfen:

a) Einen Beruf auszuüben, der dazu dient, den gegenwertigen und zukünftigen Lebensunterhalt zu sichern

b) Niemals eine Bezahlung für die Teilnahme an irgendeinem sportlichen Wettbewerb erhalten zu haben.

c) Sich den Regeln der internationalen Verbände zu unterwerfen

d) Sich der offiziellen Auslegung dieses Status zu unterwerfen

 

Es ist kein Zweifel: Diese Formulierung ist noch im hohen Masse der Auslegung bedürftig. Scheint es doch nach dem Buchstaben b) dieser Formulierung so zu sein, als ob jegliche Geldannahme verboten sein soll, so ergibt sich doch aus den Umständen, unter denen dieser neue Amateur-Paragraph zustande gekommen ist, dass die finanzielle Frage in Zukunft anders und großzügiger beurteilt werden muss. Die entscheidende Frage wird also in Zukunft diejenige sein, welches die „offizielle Auslegung“ des neuen Amateur-Status werden wird. Eine besondere Rolle wird dabei die Frage des Ersatzes von Verdienstausfall und sonstige indirekte Förderungen sein.

 

Etwa vier Wochen nach der Verkündung dieses neuen Amateur-Statuts fand in Schweden eine Verhandlung gegen den Weltrekordläufer Dan Waern statt. Durch Ermittlungen der schwedischen Finanzbehörden war nachgewiesen worden, dass Waern durch sportliche Veranstaltungen erhebliche Einnahmen erhalten hatte. Er hatte beispielsweise bei fünf Sportfesten in Stockholm jeweils 1.000 schwedische Kronen (ca. 920 DM) für einen Start vom Veranstalter erhalten.

 

Obwohl damit das bisherige Amateurstatut ganz eindeutig verletzt war, haben die schwedischen Sportbehörden es abgelehnt Dan Waern zum Berufssportler zu erklären. Die Begründung war deutlich: „Waern hat in einigen Fällen verhältnismäßig hohe Entschädigungen für seine Teilnahme an Wettkämpfen erhalten. Aber nach sorgfältigen Überlegungen haben wir uns entschlossen, keine disziplinarischen Maßnahmen gegen ihn zu ergreifen. Vor allem weil die finanziellen Entschädigungen offensichtlich nicht höher waren als diejenigen, die internationale Leichtathletikstars überall auf der Welt erhalten, ohne dafür bestraft zu werden.“

 

Man darf gespannt sein, wann die „hohen Herren“ endlich in der Gegenwart ankommen!

 

<<< zum Seitenanfang >>>

Oktober 1961: Abspaltung - der gesamtdeutsche Turn- und Sportverkehr ist am Ende

Der Sportverkehr zwischen der Bundesrepublik und der sowjetischen Besatzungszone hat seit der unseligen Spaltung Deutschlands immer unter zwei grundverschiedenen Gesichtspunkten gestanden. Er war für die Turn- und Sportbewegung der Bundesrepublik ausschließlich Ausdruck der menschlichen, sportlichen und turnbrüderlichen Verbundenheit mit den Kameraden jenseits der Zonengrenze. Für das Regime der Zone war der gesamtdeutsche Sportverkehr schwerpunktmäßig immer nur ein Mittel zur Durchsetzung politischer Ziele. Diese Ziele haben in den letzten zehn Jahren mehrfach gewechselt. In den ersten Jahren sah das Regime im gesamtdeutschen Sportverkehr ein Mittel, die Bundesrepublik politisch zu unter-wandern. Nahezu alle Sportbegegnungen wurden damals mit Spruchbändern, politischen Ansprachen und anderen Propagandamitteln zur politischen Beeinflussung missbraucht. Dieser uferlose Missbrauch zwang die gesinnungs- und satzungsmäßig zu politischer Neutralität verpflichteten Turn- und Sportverbände der Bundesrepublik am 21. September 1952 zum Abbruch der Sportbeziehung mit der SBZ.

 

Drei Monaten nach dem Abbruch sagte die politische Sportführung der SBZ zu, zukünftig bei Sportbegegnungen politische Demonstrationen zu unterlassen. Damit wurde der gröbste Missbrauch ausgeschaltet und die Wiederaufnahme des gesamtdeutschen Sportverkehrs ermöglicht. Aufgegeben wurden die politischen Ziele vom Zonensport aber nicht. Mit Beginn des Jahres 1957 gab das Regime die Parole von der „Einheit Deutschlands“ zugunsten der Zweistaatentheorie auf. Ein friedlicher gesamtdeutscher Sportverkehr passte nicht in das politische Konzept. Die bis dahin häufigen Sportbesuche aus der SBZ wurden vom Regime rigoros gestoppt und fest vereinbarte Sportbegegnungen oftmals in letzter Minute abgesagt.

 

Mit unendlicher Geduld hat sich die Turn- und Sportbewegung der Bundesrepublik bemüht, den gesamtdeutschen Sportverkehr aufrecht zu erhalten. Mit der Überzeugung, dass die Aufrecht-
erhaltung der menschlichen und sportlichen Beziehungen der alles überragende Gesichtspunkt sein müsse. Nach weiteren Untergrabungen und Störungen eine gesamtdeutsche Sportbewegung durch fortwehrenden politischen Missbrauch und Abschnürungsmaßnahmen seitens des Regimes der SBZ, hat der geschäftsführende Vorstand des DSB und des NOK folgenden Beschluss gefasst:

 

Die vom Regime der SBZ getroffenen Abschnürungsmaßnahmen werden auf das schärfste missbilligt. Dieses Vorgehen widerspricht den Prinzipien der Menschlichkeit und verletzt alle sportlichen Grundsätze. Nach diesen Maßnahmen haben nur noch systemhörige Personen die Möglichkeit zu sportlichen Begegnungen in der Bundesrepublik. Damit hat die SBZ den gesamtdeutschen Sportverkehr unterbunden. Sie trägt dafür die alleinige Verantwortung. Solange ein normaler Verkehr zwischen der SBZ und Berlin und der Bundesrepublik nicht mehr möglich ist, können die Sportverbände Genehmigungen zur Durchführung von Sportveranstaltungen innerhalb der SBZ und Sportgruppen der SBZ in der Bundesrepublik nicht mehr erteilen. Ebenfalls können die Sportverbände der Bundesrepublik für die Dauer dieses, von der SBZ geschaffenen Zustandes auch an internationalen Sportveranstaltungen innerhalb der SBZ nicht mehr teilnehmen.

 

Verhandlungen über gesamtdeutsche Fragen haben unter diesen Umständen keinen Sinn, sie werden ab sofort eingestellt.

 

<<< zum Seitenanfang >>>

Mai 1962: Abschied von Paul Hauemschild

Wenn je ein Mensch sein Leben dem Sport gewidmet hat, dann ist es Paul Hauenschild gewesen. Er hat mit seinen geistigen Gaben und seinen finanziellen Mitteln den Rasensport, vor allem den Fußballsport, in hervorragender Weise gefördert. Seine Freizeit gehörte immer diesem selbsterkorenen Steckenpferd. Paul Hauenschild war ein guter und hilfsbereiter Mensch. Er hatte ein offenes Herz und hat vielen, die ihm beim Sport über den Weg liefen, geholfen.

 

Sein Wirken für die Organisationen im Sport begann schon in frühen Jahren. Breits im Jahre 1903 gehörte er dem Bundesrat des Hamburg-Altonaer Fußballbundes an, der im Bereich der Hansestadt im Jahre 1894 gegründet worden war. In diesem Gremium, eine Art Delegiertenversammlung der Vereine, vertrat er damals den Stammverein von „Spiel und Sport Bergedorf“, den er selbst mitbegründet hatte. Noch im selben Jahre wurde er sogar zum 1.Vorsitzenden dieser Vorläuferorganisation des gegenwärtigen Hamburger Fußball-Verbandes und früheren Bezirk III des Norddeutschen Fußballverbandes gewählt. Diesen Posten hatte er eine Zeitlang inne, bis er zum Militär einberufen wurde. Seiner Dienstpflicht zu genügen, war für Paul Hauenschild natürlich Ehrensache.

 

Von 1905 bis 1908 war er auf Baumwollsaatmühlen in den Vereinigten Staaten für Firmen tätig, die von der väterlichen Firma „Emil Hauenschild“ vertreten wurden. Von 1924 bis 1927 und 1929 bis 1933 hatte er die Führung des Bezirks III inne – in der letzten Zeit vor 1933 als Kreisfachwart für Fußball.

 

Seine Hauptfürsorge hat aber immer dem Hamburger Sport-Verein gegolten, dem er 1905 beigetreten war und dem er später dieses große Geschenk der Sportanlage vor den Toren Hamburgs gemacht hatte. Was „Onkel Paul“ für seinen HSV gewesen ist, kann in Worten nicht genügend gewürdigt werden. So war er immer der Ansicht, dass nur solche Sportler sich hervorragend für ihren Verein einsetzen können, die in ihrem Wesen tief im Verein verwurzelt sind und nahm sich über viele Jahre in erster Linie der Jugend an. Als langjähriger Vorsitzender des Hamburger Sportverein Ochsenzoll, spendierte er ihnen, nach der sportlichen Betätigung, nicht selten Kaffee und Kuchen, oder fuhr mit ihnen wiederholt zum Pfingstturnier der deutschen Jugendmannschaften nach Pforzheim – oder half ihnen in anderer Weise.

 

Viele der noch jetzt tätigen Sportler im Hamburger Sport-Verein, vor allem auch die Spieler der gegenwärtigen Liga-Mannschaft, werden sich ob dieser großen Fürsorge gerne an „Onkel Paul“ erinnern.

 

Auf vielen Verbandstagungen, sonstigen Tagungen und Sitzungen war Paul Hauenschild der Vertreter unseres Vereins. In den Zeiten zwischen dem ersten und zweiten Weltkrieg hat Paul Hauenschild mehrfach als 1.Vorsitzender das Steuer unseres Vereins in Händen gehalten. Auch nach dem 2.Weltkrieg ist er noch eine Zeitlang wieder 1.Vorsitzender gewesen. Der Hamburger Sport-Verein hat Paul Hauenschild für seine großen Verdienste um den Verein zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

 

In Dankbarkeit, für all das was er für unseren Verein getan hat und sein Wirken für den Rasensport in den Verbänden, nehmen wir Abschied von „Onkel Paul“ Paul Hauenschild. Sein Name bleibt für alle Zeiten mit der Geschichte des Hamburger Sport-Vereins und dem Fußballsport, besonders in Groß-Hamburg verbunden.

 

<<< zum Seitenanfang >>>

Juni 1962: Nachruf auf Paul Hauenschild

Deutscher Fußballbund

Lieber Sportkamerad Mahlmann,
einer Zeitung vom 27.April musste ich entnehmen, dass der Ehrenpräsident des Hamburger Sport-Vereins, Herr Paul Hauenschild, im Alter von 80 Jahren gestorben ist. Der DFB und ich ganz besonders nehmen aufrichtigst Anteil an dem schweren Verlust, den Ihr Verein erlitten hat, um Ihnen unser herzlichstes Beileid auszusprechen.

Paul Hauenschild lernte ich näher kennen bei den denkwürdigen Spielen Ihres Vereins gegen den FC Nürnberg im Jahre 1922. Dieses Kennenlernen schuf dann in den folgenden Jahren zwischen Hauenschild und mir eine sportfreundschaftliche Verbindung, die nie unterbrochen wurde. Bei unseren Begegnungen kam immer wieder seine Liebe zu Ihrem Verein zum Ausdruck, dem gleichsam sein ganzes Leben gehörte.

Paul Hauenschild war, wie der Engländer sagen würde, „a real good sport“, der bei all denen, die ihn kannten, nie vergessen und dadurch gleichsam weiterleben wird.
Mit stillem Gruß -gez. Dr. P. J. Bauwens-

 

Bürgermeister Edgar Engelhard

Sehr geehrte Herren,
soeben aus dem Urlaub zurückgekehrt, erreicht mich die traurige Nachricht vom Ableben Ihres Ehrenpräsidenten Paul Hauenschild.

Der Hamburger Sport-Verein verliert mit Paul Hauenschild eine von mir hoch geschätzte Persönlichkeit, einen guten Freund und Förderer der Jugend und einen beispielhaft uneigennützigen Förderer des Sports.

Im Namen des Senats und ganz persönlich versichere ich Sie der herzlichen Anteilnahme.
-Edgar Engelhard-

John Leyding, Deutsche Wohnungsbaugesellschaft m.b.H.

Sehr geehrte Herren,
tief bedrück bin ich von der Nachricht, dass Ihr sehr geehrter Herr Paul Hauenschild verstorben ist. Ich erinnere mich noch an die Zusammenkunft, die wir kürzlich auf Ihrer Sportanlage in Ochsenzoll hatten, wo Herr Hauenschild noch sehr interessiert unter uns weilte. Diese Anlagen wird sicher ständig mit dem Namen Paul Hauenschild verbunden bleiben. Ich möchte namens des Sportausschusses der Bürgerschaft und auch persönlich mein herzliches Beileid aussprechen.
-John Leyding-

Norddeutscher Fußball-Verband

Die Nachricht vom Tode des Herrn Paul Hauenschild, der bei Ihnen Ehrenmitglied war, hat uns tief getroffen. Welche hohen Verdienste sich der Verstorbene um Ihren Verein erworben hat, können Sie besser als wir beurteilen.

Aber auch über die Vereinsarbeit hinaus hat er 20 Jahre in der Verwaltungsarbeit des Norddeutschen Fußball-Verband gestanden. Wegen seiner unermüdlichen und verdienstvollen Arbeit im Sport, haben auch wir Paul Hauenschild im Jahre 1957 zu unserem Ehrenmitglied ernannt. Wir werden unseren Kameraden Hauenschild nicht vergessen und dürfen Ihnen, zu dem Verlust dieses sportlich so tatkräftigen Mannes, unsere tiefe Anteilnahme versichern.

Da der Unterzeichnende am Tage der Beerdigung in Amsterdam ist, kann er leider dem Verstorbenen die letzte Ehre nicht erweisen. Die Vertretung wird ein anderer Kamerad wahrnehmen und als letzten Gruß einen Kranz niederlegen.

In tiefem Mitgefühl
NORDDEUTSCHER FUSSBALL-VERBAND E.V.
Dr. Gössmann, 1.Vorsitzender

Senat der Freien und Hansestadt Hamburg

Sehr geehrte Herren,
die Nachricht vom Ableben Ihres Ehrenvorsitzenden, Herrn Paul Hauenschild, hat die Mitarbeiter beim Sportamt zutiefst betrübt. Nicht nur der Hamburger Sport-Verein, sondern die gesamte Hamburger Sportbewegung verliert mit Paul Hauenschild eine hervorragende und beispielhafte Persönlichkeit, einen großartigen Freund und Förderer der Sportjugend unserer Stadt und darüber hinaus einen der uneigennützigsten Pfleger und Förderer des Sports schlechthin.

Nehmen Sie aus diesem traurigen Anlass seines Ablebens die Versicherung unserer herzlichen Anteilnahme entgegen. Wir werden Paul Hauenschild beim Sportamt stets ein ehrendes Andenken bewahren.

Ihr sehr ergebener
Gerhard Stöck 

 

<<< zum Seitenanfang >>>

März 1963: Das olympische-Komitee, ein König ohne Reich?

Die Sitzung des Exekutiv-Komitees des Internationalen Olympischen Comites (IOC), vor acht Tagen in Lausanne, hatte als Verhandlungsthema das heiße Eisen „Sport und Politik“ auf dem Programm. Am Rande der Sitzung liefen die Gespräche wieder um eine gesamtdeutsche Mannschaft, die nach dem Wunsche des IOC-Präsidenten Avery Brundage (USA) für die Winterspiele in Innsbruck und die Olympischen Sommerspiele in Tokio 1964 auf der gleichen Basis wie zuletzt in Squaw Valley und Rom (1960) gebildet wird. Das war für den deutschen Sport das herausragende Ereignis.

 

Aber Lausanne war mehr. Dem aufmerksamen Beobachter konnte es nicht entgehen, dass es ein Problem „IOC“ gibt – und nicht erst seit gestern. Ja, es gibt eine „Krise des IOC“. Ein
Pierre de Coubertin, der Schöpfer der Olympischen Spiele der Neuzeit, würde sich verwundert die Augen reiben, welchen Problemen sich seine Idee in der Mitte des 20. Jahrhunderts gegenübersieht. Seine schönen Gedanken, hergeleitet aus dem klassischen Vorbild der Antike, drohen in der Mühle der großen politischen Auseinandersetzung zermahlen zu werden.

 

 Ein erstes kleines Feuer des Aufbegehrens gegen die olympische Idee, die keine Grenzen kennt, wird gerade in diesen Tagen im südostasiatischen Raum sichtbar. Indonesien verwahrt sich gegen die durch das IOC ausgesprochene Suspendierung, wegen des Startverbots für die Sportler Israels und Nationalchinas bei den Asienspielen 1961 in Djakarta. Worauf Staatspräsident Sukarno die Beziehungen zum IOC abbricht.

 

Kuba und Rot China stimmten sofort dem indonesischen Vorschlag zu, als Gegenstück für Olympische Spiele, „Neue Spiele der aufstrebenden Kräfte“ zu veranstalten – und dies noch im Laufe dieses Jahres.

 

Man sollte diese Vorschläge nicht überbewerten, aber auch nicht übersehen. Die Kraft der Olympischen Idee ist noch so stark, dass sich der größte Teil aller Nationen zu ihr bekennt. Doch Lausanne hat eben auch gezeigt, dass diese machtvolle und schöne Idee der Olympischen Spiele, bzw. ihr Träger, das IOC, ein König ohne Reich ist. Und so kann das IOC nur einen Appell an die Regierungen in aller Welt richten, für die Idee des olympischen Gedankens einzutreten und allen Sportlern, ohne Rücksicht auf Rasse, Religion, politische Ausrichtung oder Staatsangehörigkeit eine Startgenehmigung zu erteilen.

 

<<< zum Seitenanfang >>>

Juli 1971: Die Löwenburg - Rückblick

Wir haben unser Eigenheim – das HSV-Haus!

So die Meldung der damaligen Vereinsführung unter dem Vorsitz von Henry Barrelet. Endlich und endgültig macht der HSV sich am Rothenbaum sesshaft, nachdem er sich bis dahin Draether’s Restaurant in der Grindelallee 36 als Klublokal bedienen musste. Und zur Erinnerung für die „Alten“: Nach den Spielen am Rothenbaum war man bei „Mutter Beermann“, der Schwiegermutter von Oskar Kesslau, im Restaurant des Hamburger Reitbahn Vereins zu Gast. An den übrigen Wochentagen waren das Cafe Belvedere am Alsterdamm und das Wiener Cafe in der Grindelallee 10 beliebte Treffpunkte der Vereinsmitglieder.

 

<<< zum Seitenanfang >>>

April 1981: Schwachstellenanalyse (neue Geschäftsräume)

Kolumne des Präsidenten Wolfgang Klein

Der HSV zieht um – vorübergehend; bis wir vernünftige Geschäftsräume neben unserem Sportplatz am Rothenbaum gefunden haben. Denn der HSV gehört zum Rothenbaum wie zu Hamburg. Aber es bedurfte keiner kritischen Analyse der Struktur - und Abläufe des HSV, um zu erkennen, dass die Effizienz der Vereinsarbeit immer mehr unter der räumlichen Zerrissenheit der Geschäftsstelle litt. Jetzt gibt es keine Amateure auf der einen Seite und keine ausgelagerten Abteilungen wie Werbung und Lizenzen mehr, sondern endlich wieder eine HSV-Geschäftsstelle. Doch ein Umzug allein genügt noch nicht, um aus dem HSV einen modern geführten Verein zu machen. Wir werden nicht an einer Organisationsuntersuchung vorbeikommen, ebenso wenig wie an einer raschen Umsetzung der Ergebnisse. Die Aufgaben unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen möglicherweise neu bestimmt werden, Verantwortlichkeiten geregelt und Abläufe besser Koordiniert werden. Viele Aufgaben haben wir erst später als notwendig und sinnvoll erkannt.

 

Seit Anfang des Jahres werden Bereiche wie Werbung und Lizenzen, Fan-Artikel und Fan- und Fanclubbereiche endlich professionell bearbeitet. Das zeitgemäße Rahmen-programm für Bundesligaspiele, dringend erforderliche und machbare Verbesserungen im Stadion sind in Vorbereitung. Der Kartenverkauf wird künftig besser geplant und wir gehen neue Wege im Amateursport.

 

Heißt das, bisher sei alles falsch gemacht worden? Natürlich nicht! Wir werden uns hüten Bewährtes nicht zu bestätigen. Es heißt vielmehr, der Entwicklung im Sport Rechnung zu tragen und Schwachstellen in der Struktur- und Ablauforganisation des HSV aufzuzeigen, zu verbessern und den neuen Herausforderungen anzupassen.

 

<<< zum Seitenanfang >>>

 

 

Quelle: HSV-Archiv
Zusammenstellung: HSV-Seniorenrat

HSV-
Archiv
 ===========