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April 2012: Der Fußball-Mensch (Satire)

Eine merkwürdige Abart des bekannten „Homo-Sapiens“ ist der Fußballmensch, auch als „Homo Fußballi“ bekannt. Seine ursprüngliche Herkunft liegt weiterhin im Dunkeln, doch wurden die ersten Exemplare in England gesichtet, wo er schon seit vielen Jahrhunderten sein Unwesen getrieben haben soll.

 

Nachdem zunächst einzelne Exemplare dieses sonderbaren Wesens auf das Festland gelangt waren, verbreitete sich diese Spezies sehr rasch in der gemäßigten Zone. Wobei zunächst nur die männlichen „Homo-Sapien“ eine merkwürdige Wandlung durchlebten und dies sehr schnell und ganz im Widerspruch zur „darwinschen Lehre“. Somit kam man bald zu der Auffassung, das es sich hierbei um eine Abart handeln müsse, die aber offenbar keinerlei wirklich krankhafte Auswirkungen zu haben schien. Die männlichen „Homo-Sapien“ konnten weiterhin ihren Verpflichtungen nachkommen und waren unter der Woche weitestgehend unauffällig. Nur wurde schon vereinzelt beobachtet, dass, wenn infizierte „Homo-Sapien“ zusammenstanden, immer wieder über berufsuntypische Themen gesprochen wurde.
Bald darauf waren es schon so viele Infizierte, sodass man beschloss, für die Leidenden eine Art „Auffangbecken“ zu schaffen. So konnten sie zumindest am Wochenende ihrem eigenartigen Verlangen in geregelten Bahnen nachkommen.Sie nannten es fortan „Fußball“ und gründeten Vereine.

 

Es ist überliefert, das die weiblichen „Homo-Sapien“ durchaus großes Verständnis für ihre infizierten Partner aufbrachten. War dieses Verhalten auch ansteckend, so doch offenbar nicht lebensbedrohlich. Vielmehr wusste man die Gatten am Wochenende in der Gemeinschaft anderer Infizierter gut aufgehoben und könnte so auch eigenen Interessen nachgehen. Bis, ja bis auch erste weibliche „Homo-Sapiens“ von dieser merkwürdigen Wandlung erfasst wurden und es wurden immer mehr. Also doch ein gefährlicher Virus?

 

Nun, die einen sagen so, die anderen sagen so. Sicher ist nur eines. Dieser „Virus“ hat sich bereits in vielen Ländern verbreitet und ein Ende ist nicht abzusehen. Schon werden internationale Treffen der Infizierten abgehalten und die Begeisterung kennt keine Grenzen.

 

P.S.: Aus dieser doch harmlosen Spezies entwickelte sich leider die Variante „Homo Fanatis“. Diese Spezies „zeichnet“ sich dadurch aus, dass sie schreiend, schimpfend und prügelnd die Stadien bevölkert und „die schönste Nebensache der Welt“ zuweilen zu einem Schlachtfeld umfunktioniert. Dieser Spezies kann man nur dringend anraten, sich schnellstmöglich in ärztliche Behandlung zu begeben!

 

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Oktober 1931: Noch'n Gedicht

Jümmers dadd söllbe!

Kommt alljährlich der August,
schwellt sich stolz die Liga-Brust.
Und im Kreis der Prominenten,
spricht man von Experimenten.
Überall gibt’s Klub-Devisen,
dittmol wülld wee jemm dadd wiesen!

 

Und am Stammtisch heiß mit Kraft,
schwingt man forsch den Gerstensaft.
Fanatismus dann beim Bier,

Meisterschaft hol’n düsmool wir.
Nur vergisst der Stammtischheld,
im Freujoar ward tosoomjetellt.

 

Doch im Frühjahr, oh wie grässlich,
wird so mancher klein und hässlich.
Der da schimpfte, wenn man unkte,
wird bescheiden, sucht nach Punkte.
Schielt zum Rothenbaum, wie trist,
dadd blifft all’ns so wie dadd ist!

 

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August 1951: Was sagt der Sportarzt?

Die Folgen einer unzureichenden Ernährung während der Kriegs- und Nachkriegszeit sind auch heute noch nicht restlos überwunden. Vor allem bei jungen Menschen, die in dieser Zeit groß wurden, beobachte ich heute häufig ein vorzeitiges Nachlassen der Kräfte während des Trainings – eine oftmals völlige Erschöpfung nach dem Wettkampf. Diese Erscheinungen erklären sich, vom sportmedizinischen Standpunkt, aus dem Aufbrauchen der körpereigenen Traubenzuckerreserven, des in der Leber gespeicherten Glykogens. Traubenzucker ist bekanntlich der Zentralbetriebsstoff aller Muskelzellen, also sowohl der Bewegungsorgane als auch des Gehirns. Zur Behebung der vorstehend genannten Defekte schlage ich grundsätzlich eine kohlenhydratreiche Kost vor. Nährmittel, Kartoffeln, Früchte sollen in der Kost eines Sportlers in reichem Maße enthalten sein.

 

Dextro Dem Getränk (Tee, Limonade usw.) füge man Dextropur hinzu, da hierdurch Kohlehydrate in reinster Form (100g Dextropur = 400 Kalorien) den Körper zugeführt werden. Empfehlenswert für den Sportler ist im besonderen Maße das bekannte Dextro-Energen, reinster Traubenzucker in Form von kleinen Täfelchen. Dieser Traubenzucker wird innerhalb von wenigen Minuten durch die Blutbahnen den besonders stark beanspruchten Muskelzellen zugeführt, und – für den Sportler besonders wichtig – es ist kein Reizmittel. Vor allem Sportlern die Gewichte abtrainieren müssen, langfristigen Beanspruchungen ausgesetzt sind, oder zur Erzielung von Bestleitungen trainieren, möchte ich den steten Gebrauch von Traubenzucker während des Trainings und – soweit wie möglich – in den Pausen zwischen den Wettkämpfen nahelegen. Je nach Kräfte-verbrauch sollen ein bis zwei Täfelchen genommen werden. Eine größere Dosis kann oftmals erforderlich sein, ist aber in keinem Falle schädlich.

 

Leiste mehr beim Sport, im Beruf, im täglichen Leben durch den natürlichen Energie- spender Traubenzucker

 

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März 1952: Kartenvorbestellungen, Kartenverkauf

Im Interesse aller Mitglieder und Interessenten, bzw. auf Grund der ab 1.April 1952 einsetzenden personellen Einschränkungen auf der Geschäftsstelle, werden die Vorbestellungen und Kartenverkäufe auf der Geschäftsstelle zukünftig wie folgt geregelt:
Beginn des Vorverkaufs ist jeweils am Montag der dem Spiel vorausgehenden Woche. Der Vorverkauf endet jeweils am Donnerstag der gleichen Woche um 17 Uhr.

 

Zu diesem Zeitpunkt müssen alle reservierten Karten abgeholt und bezahlt sein. Spätere Vorbestellungswünsche oder Abholungen können leider keine Berücksichtigung mehr finden. Alle Eintrittskarten, sowie die bis zum Endtag, auf der Geschäftsstelle, nicht abgeholten Vorbestellungen, werden an die Vorverkaufsstellen zum Verkauf freigegeben.

 

Diese Maßnahmen sind erforderlich geworden, nachdem die Beschaffung bzw. Zurück-stellung von Eintrittskarten einen derartigen Umfang angenommen haben, der für die Mitarbeiter der Geschäftsstelle untragbar geworden ist. Die oben angeführte Neuregelung geschieht im Interesse einer schnelleren und zweckmäßigeren Bearbeitung und zugunsten aller Interessenten.

 

Es werden daher alle Mitglieder und Anhänger unserer Sportveranstaltungen gebeten, sich schnellstens dieser Neuregelung anzupassen.

 

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Februar 1961: Die Amateurfrage

Heftige Diskussionen über die Amateurfrage beherrschten die Sport-Öffentlichkeit schon im letzten Monat. In der Januar-Ausgabe der Sportzeitung „Der Sport“; schrieb Ernst Werner u. a.: „Gern stimmen wir dem weisen Professor Carl Diem zu, wenn er die Amateur-Bestimmungen als eine Art Sport-Jugendschutzgesetz bezeichnet, das erhalten bleiben müsste. Auch der Anspruch sportliche Leistung zu vollbringen, ohne daraus sogleich materiellen Nutzen zu ziehen, muss erhalten bleiben. Aber an Verstößen dieses Prinzips gehen nicht die Olympischen-Spiele zu Grunde. Wenn diese Idee gefährdet ist, dann ist es der Verstoß gegen die Wahrheit.

 

Die Sylvester-Ausgabe vom Hamburger Abendblatt veröffentlichten hierzu deutliche und eindringliche Worte von Georg H. Meurer: Auch die alten Griechen waren keine Amateure. Ihre Olympiasieger ließen sich ihre Erfolge – wir wissen es aus der Geschichte – gut bezahlen und waren steuerfreie Bürger von großem Ansehen. Unsere „Profiverbrennung“ ist nichts als eine Folge jener weitgreifenden Griechenverkennung, mit der die Historiker des 19. Jahrhunderts jenes für die Realitäten doch so aufgeschlossenes Volk bestraft haben.

 

1894, auf dem Pariser vorolympischen Kongress, wurde dieses Missverständnis gleich einem Glaubensbekenntnis in den Grundstein des neuzeitlichen Olympia einzementiert. Seitdem ist an dem Amateurbegriff immer wieder herumgezerrt worden, aber niemand hat sich die Mühe gemacht oder den Mut gehabt, seine Wurzeln zu analysieren oder gar zu kritisieren. Denn diese liegen im falschverstandenen Hellenentum einerseits und im angelsächsischen Gesellschaftssnobismus andererseits.

 

War doch der Sport damals noch eine Sache der oberen Zehntausend, die sich mit Geld niemals die Fingen schmutzig gemacht hätten. Nun, diese Klassenbeschränkungen wurden aufgehoben, aber die Amateurphrase blieb. Geriet auch der Klassendünkel in Diskussion, so blieb doch sein Ableger, der Amateur-heiligenschein, unangetastet.

 

Auf seinem Kongress in Athen will sich das IOC 1961 grundsätzlich mit einer Neufassung des Amateurstatuts beschäftigen. Der Kanzler Otto Mayer hält es sogar für möglich, dass sich im IOC eine Mehrheit für eine Veränderung der Amateurregel ausspricht. Aber er sagt im gleichen Atemzuge, dass Präsident Avery Brundage wie ein Erzengel vor dieser Phrase stehen und sie mit allen Raffinessen verteidigen wird – erfolgreich, wie der Kanzler des IOC glaubt.

 

Wem wäre damit gedient? Einer längst widerlegten historischen Legende, einer hohlen Phrase und Lüge, die das Märchen vom blütenreinen Amateur begleitet, weiterhin das Wort zu reden. Wenn der Kanzler Otto Mayer recht hat, gäbe es eigentlich nur eine Forderung: Abtreten, Mr. Brundage !

 

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Mai 1961: Waldlauf mal ganz anders - Lustiger Bericht

Wenn der Wagen bis um halb zehn nicht hier ist, dann könnt ihr nach Hause gehen.“

Wir gingen. Drei Minuten nach halb zehn war der Wagen da. Einige wenige der eifrig nach Hause Strebenden konnten wieder eingefangen und aufgegriffen werden. In rasender Fahrt entführte man die stark dezimierte Mannschaft (aus jeder Altersklasse nur zwei Mann und Herr Robert) bis hinter Wentorf. Dort begannen Feldwege und mit ihnen das Lockerungstraining: Arme, Beine, Butterbrote und Aktentaschen wurden wild durcheinandergeschüttelt. Aber wir kamen immerhin voran. Die Wege aufgeweicht und mit knietiefen Pfützen übersät. Doch der unser unerschütterliche Fahrer sagte sich wohl: „Wenn die Achse bricht, können wir ja immer noch schwimmen“.

 

Doch zu unser aller Erstaunen brach nichts. Mit Vorwärts- und Rückwärtsgang gelangten wir nach einigen Irrfahrten – alle Sümpfe gleichen einander – doch noch ans Ziel. Die Dassendorfer wollten auf uns wartet. Nach altem Seemannsbrauch wollten wir uns vor dem Start über Wasserstand, Untiefen und zu umfahrende Tiefseeströmungen auf dem Weg zum Ziel erkundigen. Unsere kühnsten Hoffnungen wurden nicht enttäuscht. Aber man kann doch nicht in Gummistiefeln laufen…..!

 

Bei einem Waldlauf pflegen Pfeile an den Weggabelungen die Richtung anzuzeigen. Auch in Dassendorf kennt man den Pfeil als Wegweiser. Aber offenbar haben Pfeile dort eine andere Bedeutung. Ein Pfeil nach links bedeutet in Dassendorf vielleicht weiter geradeaus, oder umkehren. Wir folgten den Pfeilen durch saftigen gelben Lehm und über Gräben und Tümpel und verliefen uns völlig. Wir ließen uns von Einheimischen die Richtung zeigen und zogen weiter. Hilfreich waren diese Hinweise aber auch nur bedingt.

 

Nach dem Stand der Sonne zu urteilen, musste der Start schon längst erfolgt sein. Da begegnete uns ein Trupp schnaufender Jungen in Turnhosen. „Seid ihr die A-Jugend?“, fragten wir ahnungsvoll. Einer von ihnen bejahte und wir folgten dem Trupp bis ins Ziel.

 

Unser Platz wurde bei dem Durcheinander erstaunlicher Weise nicht anerkannt. Man verlangte allerdings noch das Meldegeld, das wir ob der landschaftlichen Genüsse gerne zahlten. Wir schifften uns wieder ein und durchschifften die seenreichen Feldwege, die wir, außer einer zerbrochenen Bank, ohne nennenswerte Schäden durchquerten. Es ist schon erstaunlich, was so Wagenachsen alles aushalten. Wieder auf eine Straße und zurückgekehrt in die Zivilisation, konnten wir feststellen, dass der Dassendorfer Waldlauf wohl nur ein Scherz war.

 

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August 1961: der neue Amateurstatus

Das Internationale Olympische Komitee hat nach langen und sicher recht schwierigen Verhandlungen eine neue Formulierung des sogenannten Amateur-Paragraphen beschlossen. Der neue Amateur-Paragraph lautet:

 

Ein Amateur ist jeder, der ohne materiellen Gewinn am Sport teilnimmt und immer teilgenommen hat. Um als Amateur qualifiziert zu sein, ist es notwendig, sich folgender Bedingungen zu unterwerfen:

a) Einen Beruf auszuüben, der dazu dient, den gegenwertigen und zukünftigen Lebensunterhalt zu sichern

b) Niemals eine Bezahlung für die Teilnahme an irgendeinem sportlichen Wettbewerb erhalten zu haben.

c) Sich den Regeln der internationalen Verbände zu unterwerfen

d) Sich der offiziellen Auslegung dieses Status zu unterwerfen

 

Es ist kein Zweifel: Diese Formulierung ist noch im hohen Masse der Auslegung bedürftig. Scheint es doch nach dem Buchstaben b) dieser Formulierung so zu sein, als ob jegliche Geldannahme verboten sein soll, so ergibt sich doch aus den Umständen, unter denen dieser neue Amateur-Paragraph zustande gekommen ist, dass die finanzielle Frage in Zukunft anders und großzügiger beurteilt werden muss. Die entscheidende Frage wird also in Zukunft diejenige sein, welches die „offizielle Auslegung“ des neuen Amateur-Status werden wird. Eine besondere Rolle wird dabei die Frage des Ersatzes von Verdienstausfall und sonstige indirekte Förderungen sein.

 

Etwa vier Wochen nach der Verkündung dieses neuen Amateur-Statuts fand in Schweden eine Verhandlung gegen den Weltrekordläufer Dan Waern statt. Durch Ermittlungen der schwedischen Finanzbehörden war nachgewiesen worden, dass Waern durch sportliche Veranstaltungen erhebliche Einnahmen erhalten hatte. Er hatte beispielsweise bei fünf Sportfesten in Stockholm jeweils 1.000 schwedische Kronen (ca. 920 DM) für einen Start vom Veranstalter erhalten.

 

Obwohl damit das bisherige Amateurstatut ganz eindeutig verletzt war, haben die schwedischen Sportbehörden es abgelehnt Dan Waern zum Berufssportler zu erklären. Die Begründung war deutlich: „Waern hat in einigen Fällen verhältnismäßig hohe Entschädigungen für seine Teilnahme an Wettkämpfen erhalten. Aber nach sorgfältigen Überlegungen haben wir uns entschlossen, keine disziplinarischen Maßnahmen gegen ihn zu ergreifen. Vor allem weil die finanziellen Entschädigungen offensichtlich nicht höher waren als diejenigen, die internationale Leichtathletikstars überall auf der Welt erhalten, ohne dafür bestraft zu werden.“

 

Man darf gespannt sein, wann die „hohen Herren“ endlich in der Gegenwart ankommen!

 

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Oktober 1961: Abspaltung - der gesamtdeutsche Turn- und Sportverkehr ist am Ende

Der Sportverkehr zwischen der Bundesrepublik und der sowjetischen Besatzungszone hat seit der unseligen Spaltung Deutschlands immer unter zwei grundverschiedenen Gesichtspunkten gestanden. Er war für die Turn- und Sportbewegung der Bundesrepublik ausschließlich Ausdruck der menschlichen, sportlichen und turnbrüderlichen Verbundenheit mit den Kameraden jenseits der Zonengrenze. Für das Regime der Zone war der gesamtdeutsche Sportverkehr schwerpunktmäßig immer nur ein Mittel zur Durchsetzung politischer Ziele. Diese Ziele haben in den letzten zehn Jahren mehrfach gewechselt. In den ersten Jahren sah das Regime im gesamtdeutschen Sportverkehr ein Mittel, die Bundesrepublik politisch zu unter-wandern. Nahezu alle Sportbegegnungen wurden damals mit Spruchbändern, politischen Ansprachen und anderen Propagandamitteln zur politischen Beeinflussung missbraucht. Dieser uferlose Missbrauch zwang die gesinnungs- und satzungsmäßig zu politischer Neutralität verpflichteten Turn- und Sportverbände der Bundesrepublik am 21. September 1952 zum Abbruch der Sportbeziehung mit der SBZ.

 

Drei Monaten nach dem Abbruch sagte die politische Sportführung der SBZ zu, zukünftig bei Sportbegegnungen politische Demonstrationen zu unterlassen. Damit wurde der gröbste Missbrauch ausgeschaltet und die Wiederaufnahme des gesamtdeutschen Sportverkehrs ermöglicht. Aufgegeben wurden die politischen Ziele vom Zonensport aber nicht. Mit Beginn des Jahres 1957 gab das Regime die Parole von der „Einheit Deutschlands“ zugunsten der Zweistaatentheorie auf. Ein friedlicher gesamtdeutscher Sportverkehr passte nicht in das politische Konzept. Die bis dahin häufigen Sportbesuche aus der SBZ wurden vom Regime rigoros gestoppt und fest vereinbarte Sportbegegnungen oftmals in letzter Minute abgesagt.

 

Mit unendlicher Geduld hat sich die Turn- und Sportbewegung der Bundesrepublik bemüht, den gesamtdeutschen Sportverkehr aufrecht zu erhalten. Mit der Überzeugung, dass die Aufrecht-
erhaltung der menschlichen und sportlichen Beziehungen der alles überragende Gesichtspunkt sein müsse. Nach weiteren Untergrabungen und Störungen eine gesamtdeutsche Sportbewegung durch fortwehrenden politischen Missbrauch und Abschnürungsmaßnahmen seitens des Regimes der SBZ, hat der geschäftsführende Vorstand des DSB und des NOK folgenden Beschluss gefasst:

 

Die vom Regime der SBZ getroffenen Abschnürungsmaßnahmen werden auf das schärfste missbilligt. Dieses Vorgehen widerspricht den Prinzipien der Menschlichkeit und verletzt alle sportlichen Grundsätze. Nach diesen Maßnahmen haben nur noch systemhörige Personen die Möglichkeit zu sportlichen Begegnungen in der Bundesrepublik. Damit hat die SBZ den gesamtdeutschen Sportverkehr unterbunden. Sie trägt dafür die alleinige Verantwortung. Solange ein normaler Verkehr zwischen der SBZ und Berlin und der Bundesrepublik nicht mehr möglich ist, können die Sportverbände Genehmigungen zur Durchführung von Sportveranstaltungen innerhalb der SBZ und Sportgruppen der SBZ in der Bundesrepublik nicht mehr erteilen. Ebenfalls können die Sportverbände der Bundesrepublik für die Dauer dieses, von der SBZ geschaffenen Zustandes auch an internationalen Sportveranstaltungen innerhalb der SBZ nicht mehr teilnehmen.

 

Verhandlungen über gesamtdeutsche Fragen haben unter diesen Umständen keinen Sinn, sie werden ab sofort eingestellt.

 

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März 1962: ein Fußballgedicht

Der Schiri pfeift, das Spiel fängt an,
der Kurbjuhn geht sehr unsanft ran.
Der Ball saust mal zurück, mal vor,
ein jeder denkt, jetzt fällt ein Tor.
Der Ewert tänzelt in dem Kasten,
Uwe schießt – es wackeln alle Masten.
Plötzlich läuft bei Köln der Ball,
Jürgen Werner kommt zu Fall.
Flutlicht Müller
Ist’n Knüller.
Schießt auf’s Tor,
es hält der Schnoor.
Neisner fackelt gar nicht lange,
Schnellinger wird angst und bange.

Er gibt den Ball dem Bähre vor,
na nu‘ gibt’s bestimmt ein Tor.
Doch Ewert hat noch einmal Glück,
der Ball prallt von Pfosten ins Aus zurück.
Die Kölner greifen an mit Wut,
doch HSVer – die stoppen gut.
Das Spiel nähert sich dem Ende,
wann kommt denn endlich die große Wende?
Die Kölner sind noch immer dran,
doch plötzlich greift Gerd Dörfel an.
Er schießt ein Tor, ein schönes Tor,
der Jubel war wie nie zuvor.
Nun tönt ein Pfiff, das Spiel ist aus,
und glücklich geh’n wir nach Haus.

Jens Schmidthammer; Klasse G4

 

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März 1962: Politik - der Sport lässt sich nicht ausklammern

Mit Recht schrieb Ernst Werner in “Sport“: „Der Sport lässt sich nicht länger aus den weltpolitischen Verstrickungen ausklammern. Eine kurze Weile durfte gehofft werden, dass es gelänge, ihn so weit abzukapseln, dass bei den außerordentlichen Anlässen wenigsten die Leistungsbesten aus Ost und West sich weiter zusammenfinden können, aber diese Hoffnung schmilzt und schrumpft von Tag zu Tag mehr.“

 

In der Tat, man weiß nicht, wie es möglich sein soll, den Sport noch aus den welt-politischen Spannungen herauszuhalten. Solange in allen Ländern der Sport um des Sports willen getrieben wird, wird man immer einen Weg finden, den sportlichen Wettkampf auch dann auszutragen, wenn politische Spannungen bestehen. Sobald aber eine Seite den Sport zu einem Mittel ihrer politischen Macht gebrauchen will, werden die Schwierigkeiten unüberwindbar.

 

Auch hier sollten wir nicht vergessen, wie die Dinge sich entwickelt haben. Am 10. Feb.
schrieb Georg H. Meurer im „Hamburger Abendblatt“ dazu folgendes:
„Die Absage der Alpinen Skiweltmeisterschaften in Chamonix kam nicht unerwartet. Sie verbreitete naturgemäß keine Freude. Nur die Zonenfunktionäre und deren Presse gaben ihrer Schadenfreude unverhohlen Ausdruck – was zu erwarten war!

 

Der offene Bruch des Besatzungsstatus vollzog sich vor den Augen aller Nationen. Die ganze Welt sah zu. Man ließ die Entwicklung 17 Jahre schleifen, hat sich empört und vielleicht auch mal verhalten erregt. Geändert aber hat man nichts. Nur im Sport glaubte man neutral zu sein, indem man den ausschließlich politisch aus-gerichteten Funktionären der Sowjetzone in 42 Weltverbänden den Eintritt in den Kreis der Unpolitischen gewährte.

 

Der internationale Sport steht jetzt vor der Entscheidung, ob er es auf eine Spaltung des Sports in Ost und West ankommen lassen, oder ob er sich der Diktatur einer Minderheit unterwerfen will. Beides will der Sport nicht. Keinesfalls allerdings sollte der Sport sich diktatorischen oder erpresserischen Forderungen einer Minderheit unterwerfen.“

 

P.S.: Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, sing‘ nicht ihre Lieder!

 

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Februar 1982: Sport, frei nach Ringelnatz

Sport macht Schwache selbstbewusster,
Dicke dünn und Dünne viel robuster,
und das gleichsam über Nacht,
dass ist das was Sport so macht.

 

Sport stärkt Arme, Rumpf und Beine,
kürzt uns ein, dief reie Zeit.
Schützt uns alle durch Vereine,
vor der öden Einsamkeit.

 

Nimmt den Lungen die gebrauchte Luft,
lässt uns arg imK ampfe schwitzen,
alles für den Siegesduft,
und danach im Wirtshaus sitzen.

 

 

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März 2022: Herzlichen Glückwunsch Ernst „Schmiddel“ Schmidt

Unser HSV-Urgestein und langjähriger „HSV-Friseur“ feierte in diesen Tagen seinen 96 Geburtstag. 1926 in Drochtersen geboren, führte ihn sein Weg nach dem Krieg nach Hamburg, wo er das Friseurhandwerk erlernte und ab Mitte 1950 sein eigenes Friseurgeschäft eröffnete.

 

Gemäß dem Motto „Haare wachsen immer“, erschien es Ernst als sichere Geschäftsgrundlage – und so war es. Bis zu seinen 94 Lebensjahr stand Ernst in seinem Friseurgeschäft und empfing seine Kundschaft. Viele kamen, um sich vom „Urgestein“ die Haare schneiden zu lassen und seinen Anekdoten aus der laaaaangen HSV-Geschichte zu lauschen. Geschichten aus den Zeiten am Rothenbaum und dem Volkspark-Stadion – natürlich mit Dauerkarte.

 

Der damalige Bürgermeister Paul Nevermann war ebenso sein Kunde wie Dietmar Beiersdorfer, Hermann Riegen und viele HSVer. Fotos mit HSV-Fans und HSV-Aktiven schmückten die Wände seines Ladengeschäfts. Immer wieder wurde über Ernst und seinem Friseur-geschäft berichtet: Das „Hamburger Journal“, die Wochenzeitung „Zeit“, ja selbst der NDR drehte einen 30-minütigen Beitrag über den „HSV-Friseur“.

 

2006 wurde Ernst Schmidt im „Volkspark-Stadion“ zum HSV-Ehrenmitglied ernannt. Vater-Ernst, Sohn-Kay und Enkel Chris (natürlich alle Dauerkartenbesitzer) gingen häufig gemeinsam ins Stadion. Dann, 2020, kamen „Corona“ und die Kontaktbeschränkungen! Es war eine schweren Herzens getroffene Entscheidung, aber letztlich die Richtige. Denn, was soll ein Friseur machen, wenn er nicht mehr an seine Kunden ran darf.

 

Die Schachtel mit seinem Handwerkszeug und sein Firmenschild wurde eingepackt und haben nun ihren Platz Zuhause gefunden. Herzlichen Glückwunsch zum 96. Geburtstag Ernst Schmidt.

 

Die HSV-Familie“

 

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Quelle: HSV-Archiv
Zusammenstellung: HSV-Seniorenrat

HSV-
Archiv
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